Leidenschaft US-Truck

von | 28. Sep. 2020

Wer an den Beruf „Kraftfahrer“ denkt, kommt vielleicht nicht unbedingt als erstes auf die Assoziationen „Romantik“ oder „Leidenschaft“. Stattdessen denkt man möglicherweise eher an die beschwerlichen, stressigen Aspekte des Fahreralltags. Dass die Truckerbranche aber durchaus von einer ganzen Menge Herzblut durchzogen ist, zeigt der Unermüdliche Markus – mit seiner großen Liebe für US-Trucks, die er euch hier einmal näher vorstellen möchte.

US-Trucks – meine alte Liebe

Ein LKW ist dazu da, Waren und Güter von A nach B zu bringen. Er ist groß, bietet eine Menge Ladefläche und sollte am besten so schnell wie möglich vom Ausgangspunkt an sein Ziel gelangen. Klar – wenn man möchte, kann man das Thema „LKW“ in diesen kurzen und durchaus wahren, aber vielleicht nicht ganz ausreichenden Sätzen zusammenfassen. 

Für viele Fahrer ist der Truck aber mehr als nur ein Arbeitsgerät. So geht es auch mir – besonders, wenn es um US-Trucks geht. Nicht umsonst verbindet man das Thema „Roadtrip“ gerne mit den langen, weiten Straßen der USA, die einen Meile um Meile durch das Nichts führen können, nur unterbrochen von vereinzelten Raststätten. Und  auf diesen besonderen Straßen fahren auch einzigartige Trucks.

Legt mich nicht auf das genaue Jahr fest, aber in den 70er Jahren lief im Fernsehen eine Serie, die ich geliebt habe. „Abenteuer der Landstraße“ hieß die und handelte von den zwei Truckern Will und Sonny, die mit ihrem grünen Kenworth W 900 durch das Land fuhren. Mit dieser Serie war es um mich geschehen und ich wusste genau: So ein Ding will ich irgendwann auch mal fahren.

Und tatsächlich: Bei einer Spedition, für die ich arbeitete, gab es Jahre später in der Tat einen Kenworth W 900 L. Ich hatte sogar das Glück, ihn zwei, drei Mal bewegen zu dürfen. Doch nach einiger Zeit wurde er zu meinem Leidwesen abgeschafft, weil die Wirtschaftlichkeit doch knapp bemessen war. 

Warum hier kaum US-Trucks fahren

Hier stehen sich die Themen Wirtschaftlichkeit und Leidenschaft leider, wie so oft im Leben, nahezu unvereinbar gegenüber. In Deutschland haben wir eine Fahrzeug-Längenbeschränkung. Da fehlt natürlich jeder Meter, der im Fahrerhaus oder im Motorwagen steckt, hinten an der Ladefläche. US-Trucks sind eben in Sachen Zugmaschine gerne mal ein ganzes Stück größer ausgelegt als europäische Modelle. Da hast du plötzlich 1,60 oder zwei Meter weniger Ladefläche – und das ist natürlich totes Kapital. Wenn man mal überlegt: Du fährst entweder zehn Touren mit 34 Paletten oder du fährst dagegen mit acht oder zehn Paletten weniger, weil die Ladefläche nicht mehr in die Längenbegrenzung passt. Da sind die finanziellen Einbußen schon gegeben. 

Dazu kommt auch die Frage der Sicherheit: Wir fahren in Deutschland einen Radstand von 3,70 Metern von der Vorder- bis auf die Hinterachse. Bei den Amerikanern ist es gerne nochmal ein Meter mehr. Da gestalten sich die Lenk- und Kurvenradien natürlich komplett anders – und plötzlich bekommt man Probleme im Kreisel, oder auf engen Anfahrten. 

Dennoch: Wenn ich könnte, würde ich alle Nachteile in Kauf nehmen. Beim Rangieren, beim Vorwärtsfahren. Denn: Die meisten US-Trucks sind drei bis vier Jahre hinter dem europäischen Standard. Da ist dann ein unsynchronisiertes Getriebe mit 13 oder 18 Gängen drin, wo man mit Zwischengas fahren muss. Das kann hier kaum noch einer.

Natürlich gibt es ein paar moderne, „weichgespülte“ Ausnahmen, die auch die Technik besitzen, die wir in Deutschland haben. Die amerikanischen LKW-Fahrer sind aber überwiegend selbstfahrende Unternehmer. Und die wollen, auf Deutsch gesagt, „den neuen Scheiß nicht“ – ein US-Truck wäre also ein bisschen der Weg „Back to the Roots“. Mehr Kuppeln, mehr Schalten – man ist in US-Trucks einfach mehr „Kraftfahrer“ als „Herr über einen Computer“. 

Ein bisschen mehr Old School – das ist so eine Spinnerei von mir. Ich weiß: Wenn man zehn Andere fragen würde, die würden sagen: „Die Technik von einem europäischen Truck und die Schlafkabine von einem Ami.“ Aber für mich ist die klassische Fahrweise einfach eine Leidenschaft. 

Mein Traum-Truck

Wenn ich aus den Vollen schöpfen dürfte… also, wenn mir jemand sagen würde „schreib auf und bestell den“, dann würde ich mir einen Freightliner Coronado 122 wünschen. Da stecken ein Raised Roof mit zwei Betten und der große Daimler-Motor mit über 500 PS, das muss dann schon sein. Der Truck hat den „Old Style“, aber keine cW-Werte mehr wie eine Einbauküche. Vermutlich wird das hierzulande kaum was werden – aber ein bisschen Träumen darf man ja!

Was wäre Euer Traum-Truck? Erzählt es uns in den Kommentaren!

Fotonachweis: © Adobe Stock dietwalther / Tomasz Zajda

Würdet Ihr Euch einen US-Truck anschaffen?

Markus

Markus

Transportiert heiße Bikes zu ihren glücklichen Besitzern.

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