Brand in Hannover: „Ich bin im Sprint zu meinem Bus gelaufen“

von | 14. Jun. 2021

Am Samstag, dem 05. Juni 2021, brach in einem Bus-Depot der ÜSTRA in Hannover ein Großfeuer aus. Ein Schock für unseren Unermüdlichen Mirko, dessen Bus ebenfalls dort stationiert war. Hier erzählt er von einem Tag, wie er ihn in seiner Karriere bisher auch noch nicht erlebt hatte.

Eigentlich hatte Busfahrer Mirko mit einem richtig entspannten Samstag gerechnet: „Du hast ein fußballfreies Wochenende, weil keine Saison ist. Du hast deine Terrasse gerade neu gemacht, deckst den Tisch und frühstückst schön, und denkst, das wird ein guter Tag. Kein Fußball, keine Arbeit, brauchst dich um nichts kümmern“ – so lautete der ursprüngliche Plan des Mannschaftsbusfahrers von Hannover 96. Keine Arbeit, keine Sorgen – doch es sollte alles anders kommen.

„Du willst retten, was du retten kannst“

Gerade noch beim Einkauf, bekam Mirko am Samstagmittag plötzlich einen Anruf vom Bus-Depot der ÜSTRA in Hannover: „Liese, komm mal schnell zum Hof, die Halle brennt. Dein Bus steht davor, der muss da weg“, lautete der – und Mirko bekam Panik: „Ich bin wie die Feuerwehr mit meinem PKW zum Hof gefahren. Ich war zum Glück vielleicht zwei Kilometer Luftlinie entfernt.“

Es dauerte also nicht lang, bis Mirko vor Ort war. Nur wenige Minuten nach dem Ausbruch des Brandes war Mirko einer von mehreren Fahrern, die zum Bus-Depot eilten, um zu retten, was noch zu retten war.

„Ich bin im Sprint zu meinem Bus gelaufen“, erzählt er: „Die Feuerwehr hat gesagt ‚mach schnell, mach schnell‘. In dem Moment denkst du nicht darüber nach, ob das gefährlich ist. Du bist so voll Adrenalin und willst retten, was du retten kannst.“ Nur aufgrund der Brandschutzwände und -türen war es überhaupt möglich, noch einige der Wagen zu sichern.

Doch einsteigen und wegdüsen klappte nicht so einfach: „Türen, Bremsen, das funktioniert ja alles per Luft. Weil der Bus ein paar Tage gestanden hatte, musste ich erstmal Luft auf die Kessel pumpen.“ Kaum war der Wagen am Laufen, hieß es: Nur noch weg. Eine Situation, die den Fahrer auch einige Tage nach dem Brand noch beschäftigt: „Das hat ein paar Mal echt laut geknallt. Hinter mir ist irgendwas explodiert. Vielleicht Reifen von den Bussen, eine Batterie oder irgendwas.“

Der Bus wurde dann auf einem provisorischen Betriebshof in Sicherheit gebracht, bevor Mirko und seine Kollegen zum Depot zurückkehrten und weitere Busse vor den Flammen retteten: „Die Kollegen sind mit ihrem PKW zum Hof gekommen. Einer war sogar noch im Urlaub und hat eine Freundin angerufen, die einen Schlüssel zu seiner Wohnung hatte. Die ist mit dem PKW und seinem Schlüssel zum Hof gekommen und wir haben den Bus weggebracht.“

„Das ist wahnsinnig schnell gegangen“

Nach etwa drei Stunden konnte das Feuer unter Kontrolle gebracht werden. Insgesamt 19 Busse konnten laut ÜSTRA-Angaben aus der Halle gerettet werden – was ohne Mirko und seine Kollegen nicht möglich gewesen wäre: „All diesen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gebührt der große Dank des Unternehmens“, äußerte Vorständin Denise Hain in einer Pressemitteilung.

Am Ende waren es fünf Elektrobusse, zwei Hybridbusse und ein Dieselbus, die vom Feuer vollständig zerstört wurden. Ein weiterer Reisebus wurde schwer beschädigt und auch die Halle an sich ist schwer getroffen. Ein Container, in dem die Fahrer ihre Sachen lagerten und Büroarbeit erledigen konnten, wurde ebenfalls zerstört: „Das glaubst du nicht, was Feuer machen kann. Das ist alles geschmolzen. Es ist der Wahnsinn“, erzählt Mirko: „Das ist wahnsinnig schnell gegangen. Da denkt man lange drüber nach, und das geht so schnell auch nicht weg.“

Neben der zerstörten Halle und den Fahrzeugen kam es auch zu einer starken Rauchentwicklung. Der Ruß setzte sich daraufhin in der Umgebung auf PKW, Bussen, Häusern und Gärten ab. Doch Menschen, und das ist Mirko das Wichtigste, blieben zum Glück unversehrt: „Da ist man froh, dass alles noch glimpflich ausgegangen ist und dass wir noch mit einem blauen Auge weggekommen sind.“

Mehr zu Busfahrer Mirko erfahrt Ihr übrigens hier.

Fotonachweis: © Mirko Liesebach-Moritz

Max

Max

Immer auf dem Sprung von einem Ort zum anderen.

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