Wie läuft’s beim eHighway?

von | 15. Jun. 2020

Der Gasausstoß auf Autobahnen ist schon lange ein Thema, das Umweltschützer beschäftigt. Wie Emissionen im Straßenverkehr minimiert werden können – das ist eine Frage, die an vielen Orten der Welt gestellt wird. In Städten etwa soll der öffentliche Nahverkehr dabei helfen, die Umweltbelastung zu drücken und Autos von den Straßen zu holen. Und außerhalb der Stadt? Da wird Elektromobilität ein immer größeres Thema.

Elektrische Autobahnen ein immer größeres Thema

Wer mit dem PKW durch große Städte fährt, sieht sie seit einiger Zeit immer wieder: Ladesäulen, an denen elektrische Fahrzeuge während des Parkens „betankt“ werden können. Auch europaweite Car-Sharing-Dienste wie ShareNow setzen teilweise auf Hybrid- und Elektrowägen – innerorts werden die elektrischen Vehikel immer mehr zum Thema.

Außerhalb der Städte, auf den Autobahnen, gibt es ebenfalls interessante Konzepte, was E-Mobilität angeht. Das gilt etwa für Österreich: Seit Juli 2019 dürfen  in Österreich gemeldete E-Fahrzeuge an bestimmten Autobahn-Abschnitten 130 km/h fahren, während Verbrenner sich aus Gründen des Umweltschutzes auf 100 km/h beschränken müssen. Hier ist aber noch lange nicht Schluss. In China wurde etwa ein System getestet, das mit Solarpanelen innerhalb der Autobahn arbeitet und fahrende Autos wiederum durch Induktion mit Energie versorgt. 

Der eHighway ist eine weitere Option, die schon lange im Gespräch ist. Los ging es damit 2016 in Schweden, wo der Transportsektor bis 2030 unabhängig von fossilen Brennstoffen laufen soll: Ein zwei Kilometer langer Streckenabschnitt wurde zur elektrischen Autobahn umfunktioniert, auf dem wiederum zwei Jahre lang Tests mit LKW durchgeführt wurden. Die Technik funktioniert, ähnlich wie der Bahnverkehr, mit Oberleitungen. Entsprechend ausgerüstete Elektro-Hybrid-LKW können die mithilfe eines Stromabnehmers auf dem Dach nutzen, um während der Fahrt elektrische Energie zu tanken. Das soll bei Geschwindigkeiten von 0 bis 90 km/h problemlos klappen, auch Überhol- und Ausweichmanöver sind möglich. In dem Falle bügelt der LKW automatisch wieder von der Leitung ab – beim Fahren sollte sich also kaum ein Unterschied einstellen.

eHighway wird eingehend getestet – nicht nur in Schweden

Der „eHighway“ hat größere Wellen geschlagen. So startete Siemens 2017 das System auch in den USA und baute eine Strecke von 1,6 Kilometern zwischen den Häfen von Los Angeles und Long Beach zur Elektroautobahn um. In Deutschland wurden ebenfalls drei Teststrecken angelegt, um Daten zu sammeln, inwieweit die neue Technik ökologischen wie ökonomischen Nutzen bringt.

Auf der A5 in Hessen läuft der Testbetrieb bereits, eine weitere Teststecke in Schleswig-Holstein zwischen Reinfeld und Lübeck ist seit Dezember 2019 betriebsbereit. Dort kam es zuletzt allerdings zu Problemen – unter anderem aufgrund der Corona-Krise. Einem Bericht der „Autozeitung“ zufolge sollten eigentlich bereits vier von fünf Hybrid-Lastern auf der Strecke sein, aktuell sind es aber nur zwei. Aufgrund der Krise kam es aber zu Auslieferungsproblemen, wodurch sich die Tests verzögern. Außerdem war die Anlage im Zuge eines Verkehrsunfalls beschädigt worden – und die Reparatur verzögerte sich aufgrund der krisenbedingten Beschänkungen.

Die dritte Strecke in Deutschland wird gerade in Baden-Württemberg an den Start gebracht. Auf einer (aufgrund der aktuellen Situation digital stattfindenden) Infoveranstaltung am 25. Mai 2020 erklärte Verkehrsminister Winfried Herrmann: „Ein klimaschonenderer Straßengüterverkehr wird dringend benötigt. Auch wenn große Anstrengungen erfolgen, um den Güterverkehr auf die Schiene zu verlagern, wird auf absehbare Zeit der Großteil weiterhin auf der Straße transportiert werden. Wir brauchen also funktionierende Alternativen zum bisher dominierenden Diesel-LKW, wenn wir die Klimaschutzziele im Verkehr erreichen wollen.“ Auf lange Sicht sollen im Murgtal täglich 128 LKW-Fahrten mithilfe von entsprechenden Oberleitungs-LKW durchgeführt werden. Dies würde etwa zehn Prozent der LKW-Belastung auf der Teststrecke entsprechen. Angedacht ist eine Bauphase von acht Monaten. 

Die Technik sieht sich also durchaus noch mit Schwierigkeiten konfrontiert und auch die Kosten sind nicht zu ignorieren. Dennoch könnte sie dabei helfen, auf lange Sicht das Klima zu schützen. Wie steht Ihr zu dem Thema? Erzählt es uns in den Kommentaren! 

 

Fotonachweis: © Hessen Mobil (OH-Lkw unterwegs auf der Teststrecke zwischen Darmstadt und Frankfurt) | © Siemens Mobility GmbH (Infografik: Erster eHighway in Deutschland – Siemens Mobility liefert für Hessen Mobil eine Pilotanlage für den elektrifizierten Straßengüterverkehr)

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Max

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2 Kommentare

  1. Weder auf der A5 noch auf der A1 habe ich bis jetzt einen sogenannten Hybrid LKW gesehen. Eine Politikerin, die Partei sage ich mal nicht, hatte mir im letzten Jahr gesagt, dass die E-LKWs in diesem Jahr fahren würden.

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    • Ich fahre die Strecken regelmäßig und habe auch noch kein Testfahrzeug gesehen.

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