Wie der Notbremsassistent funktioniert

von | 27. Sep. 2021

Auf der Autobahn kann schon die kleinste Unaufmerksamkeit zum Knall führen. Zahlreiche Auffahrunfälle passieren, weil nur einen winzigen Moment lang nicht aufgepasst wurde oder eine Reaktion zu spät kam. Der Notbremsassistent setzt genau hier an und soll die Menschen hinter dem Steuer unterstützen.

Wie funktioniert ein Notbremsassistent? In der Regel ist der Notbremsassistent eine technische Hilfe, die mittels Sensoren und Kameras den Bereich vor dem Lkw abtastet. Es überprüft, ob sich andere Vehikel oder Hindernisse vor dem eigenen Wagen befinden und in welcher Geschwindigkeit dieses sich bewegen.

Gleichzeitig haben moderne Assistenzsysteme auch Daten wie die eigene Geschwindigkeit oder aktuelle Lenkung im Blick. Erkennt der Assistent, dass Gefahr droht – etwa, weil man zu schnell auf einen Stau zu fährt, oder mit einem anderen Verkehrsteilnehmer vor sich zu kollidieren droht – wird ein Prozess eingeleitet, um einen Unfall zu verhindern.

Oft wird im ersten Schritt ein Warnsignal an den Fahrer geschickt, etwa durch ein Blinken oder einen Warnton. Reagiert man nicht entsprechend, beginnt der Notbremsassistent das Tempo des Wagens zu drosseln. Und reicht das noch immer nicht, können autonome Bremsassistenten sogar eine Vollbremsung einlegen.

Gerade bei langen Fahrten, bei denen man ermüdet und auf Dauer möglicherweise unaufmerksam wird, können die Systeme helfen. Tipps, wie ihr fit bleibt und Unfällen vorbeugt, zeigen wir euch hier.

Ist der Notbremsassistent unfehlbar? Zu 100 % darf man sich nicht darauf verlassen, dass der Assistent nun schon das Bremsen für einen selbst übernimmt. Es kann beispielsweise passieren, dass die Technik durch äußere Einflüsse behindert wird – wie etwa Dreck, Kälte oder auch Regen.

Deshalb gilt stets, dass man selbst weiterhin für die Fahrt verantwortlich ist und die Augen nach möglichen Problemen offen hält.

Ist ein Notbremsassistent Pflicht? Grundsätzlich gilt, dass Lkw, die seit 2015 zugelassen wurden, über ein solches Assistenzsystem verfügen müssen.

Nach aktuellem Stand ist es noch erlaubt, den Notbremsassistenten abzuschalten. Manche Fahrer tun dies, um etwa den Windschatten innerhalb einer Kolonne intensiver auszunutzen, oder um durch plötzlich einscherende Verkehrsteilnehmer nicht abrupt ausgebremst zu werden. Dies wird auf Sicht aber nicht mehr möglich sein.

In Deutschland etwa gab das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur  bekannt, das Abschalten in Zukunft verbieten zu wollen. „Da es dem BMVI zu lange dauert, bis eine europarechtliche Regelung zur Abschaltbarkeit von Notbremsassistenten kommt, nutzt das Ministerium gleichzeitig alle nationalen Spielräume. Bisher ist es noch erlaubt, Notbremsassistenten abzuschalten. Das BMVI will dies ändern und plant, eine nationale Vorschrift zu erlassen, die das Abschalten von Lkw-Notbremsassistenten durch den Fahrer ab einer Geschwindigkeit von mehr als 30 km/h verbietet“, so ein Statement auf der Website des BMVI aus dem April 2021.

Der Blick nach vorne: Grundsätzlich werde daran gearbeitet, die Leistung der Assistenzsysteme zu erhöhen. Infolgedessen soll auch die technische Vorschrift verschärft werden. Zu diesem Zweck wurde im September 2020 eine internationale Expertengruppe gegründet: „Ziel dieser von Japan und Deutschland geleiteten Expertengruppe ist es, die Leistungsfähigkeit von Notbremsassistenzsystemen zu erhöhen. Das BMVI wird darauf hinwirken, dass erste Änderungsentwürfe bereits im Herbst 2021 vorliegen und dass fertiggestellte Vorschriftenänderungen zum frühestmöglichen Zeitpunkt auch auf EU-Ebene übernommen werden, da diese Fahrzeuge nach dem harmonisierten EU-Recht typgenehmigt werden.“

Laut BMVI haben Notbremsassistenten ein großes Potenzial, die Zahl der Unfälle und Verletzten auf den Straßen zu mindern. Insbesondere an Stau-Enden würden sich durch die Assistenten Kollisionen immer besser verhindern lassen. Durch fortschreitende Entwicklungen sollen sie zukünftig aber auch komplexe Situationen wie etwa in Baustellen meistern.

Übrigens: Auch der Retarder hilft, wenn ihr schnell abbremsen müsst.

Gibt es noch mehr Assistenten? Tatsächlich ist der Notbremsassistent nicht das einzige System, dass bei der Fahrt für mehr Sicherheit sorgen soll. So gibt es beispielsweise den Abbiegeassistenten, auf den Fahrer in der Stadt zurückgreifen können, um Fußgänger, Radfahrer und andere Verkehrsteilnehmer zu schützen.

Mehr zum Abbiegeassistenten erfahrt ihr hier. 

Auch Systeme wie der Abstandsregler oder Spurhalteassistent sollen für mehr Sicherheit sorgen. Ein weiteres Beispiel im Bereich „Bremsen“ ist der Ausweichassistent. Der schlägt an, wenn selbst eine Notbremsung nicht mehr reicht, um eine Kollision zu verhindern.

In dem Fall kann der Assistent dabei unterstützen, dem Vordermann auszuweichen, ohne dabei auszubrechen oder ins Schleudern zu kommen.

Was für Erfahrungen habt ihr mit dem Notbremsassistenten oder anderen Hilfs-Systemen gemacht? Erzählt es uns in den Kommentaren!

All diese Systeme spielen letztendlich auch eine Rolle beim Thema „autonomes Fahren“. Mehr dazu erfahrt ihr hier.

Fotonachweis: © Adobe Stock nordroden | Sahin Top

Nutzt ihr einen Notbremsassistenten?

Werner

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2 Kommentare

  1. Ich benutze den Bremsassistenten grundsätzlich , ich hatte schon die Erfahrung gemacht das ein uberholender Pkw zu kurz vor meinem Lkw wieder eingeschehrt ist der notbremsassistent hat sofort eine Notbremsung eingeleitet , so schnell hätte ich nicht reagieren können.
    Es ist für mich unbegreiflich das es überhaupt erlaubt wurde den Assistenten abschalten zu dürfen Ich kann es nur begrüßen wenn ein Verbot durchgesetzt würde.

    Antworten
  2. Wir fahren einen Volvo FM vor einem Tanksattel und wir können zwar den Abstandsregeltempomat aber nicht den Notbremsassistenten ausschalten und das ist auch gut so.

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