Keine Angst, aber Respekt: Was man in der LKW-Fahrschule lernt

von | 18. Apr. 2022

Udo Kummer bringt Fahrschülerinnen und -schülern bei, wie man LKW fährt. „Wie ist das so?“, haben wir uns beim Unermüdlich-Blog gefragt. Im Gespräch gab er uns Einblicke aus gut 40 Jahren Berufserfahrung.

Gas geben, Bremsen, lenken – ganz grundsätzlich macht man hinter dem Steuer eines LKW das gleiche, wie hinter dem PKW-Lenkrad. Doch hier enden die Ähnlichkeiten relativ bald.

„Es ist, als würde man Weißbrot mit Schwarzbrot vergleichen“, meint Fahrlehrer Udo Kummer. Zahlreiche Dinge sind beim LKW dann eben doch anders: Das fängt bei offensichtlichen Dingen wie der Größe, der Breite und dem längeren Radstand an, hört da aber noch lange nicht auf.

Die Auswirkungen kleinster Unterschiede fallen bemerkenswert groß aus – und müssen von Fahrschülern beachtet werden. „Zwischen PKW und LKW liegen Welten“, findet Kummer: „Als LKW-Fahrer muss man die Strecke ein bisschen vorausplanen.“

Das vorausschauende Fahren, das man schon in der PKW-Fahrschule als absolut grundlegend beigebracht bekommt, kriegt hinter dem Truck-Lenkrad eine neue Dimension: „Wenn man auf schmaleren Straßen unterwegs ist, muss man wesentlich weiter vorausschauen als ein PKW-Fahrer. Um einfach zu erkennen: Macht es noch Sinn, diese 100 Meter reinzufahren, oder schon stehen zu bleiben? Da muss man Fingerspitzengefühl entwickeln“, so Kummer.

Das vorausschauende Fahren ist ein zentraler Punkt, den der Fahrlehrer seinen Schülern vermitteln will. Und dazu kommen dann jede Menge Details – wie beispielsweise bestimmte Verkehrsschilder, die nur für LKWs gelten, oder auch das absolute Rechtsfahrgebot. Selbst auf die gewohnten Abläufe wie den Schulterblick darf man sich im LKW nicht verlassen: „Beim PKW kann man immer nochmal schnell über die Schulter schauen, was man ja auch tun soll. Beim LKW hat man nur den Spiegel. Also muss man lernen, das Bild im Spiegel auch einzuordnen.“

Zudem lernen Schüler, mit Assistenzsystem umzugehen – wie beispielsweise dem Abbiegeassistent.

„Frauen haben mehr Ehrgeiz“

So unterschiedlich das Fahrgefühl im LKW ist, so ähnlich ist die eigentliche Tätigkeit als Fahrlehrer im Vergleich zum PKW: „Ich kann nicht behaupten, dass ich extrem viel bremsen oder lenken muss“, betont der Fahrlehrer.

Viele Schüler haben sich dank ihrer PKW-Erfahrung schon mal mit dem Verkehr auseinandergesetzt – und haben in der Regel eher Respekt davor, mit dem großen LKW in den Trubel auf den Straßen einzusteigen: „Ich versuche immer, durch Reden zu führen. Wenn ich permanent im Lenkrad bin, mach ich den ja ganz wuschig.“

Viel Abwechslung hingegen bietet die Schülerschaft an sich. Hier ist im Grunde alles dabei: Vom jungen Auszubildenden bis hin zum 50-Jährigen, der nochmal umsattelt. Feuerwehr-Fahrer, Privatpersonen, Speditionen – Udo Kummer kennt sie alle.

Frauen sind mittlerweile ebenfalls regelmäßig hinter dem LKW-Steuer zu finden. Ein positiver Schritt, wie Udo Kummer findet. Denn bis heute gilt die LKW-Landschaft immer noch weitestgehend als „Männderdomaine“.

„Frauen haben wesentlich mehr Ehrgeiz“, stellt Kummer fest: „Das heißt nicht, dass sie weniger Stunden brauchen. Aber sie haben mehr Ehrgeiz, mehr Biss, mehr Wille als manche Jungs“, so der Fahrlehrer.

Zudem unterrichtet Kummer neben den LKW-Neulingen auch regelmäßig Fahrer, die schon länger dabei sind. Denn im 5-Jahres-Rhythmus sind Weiterbildungen angeordnet: „Da geht es auch um Dinge wie verkehrsrechtliche Sachen, energiesparende Fahrweise, Sozialvorschriften, Lenk- und Ruhezeiten, Arbeitszeitengesetz – alles, was da so reinfällt“, erklärt er. Auch „Image“ wird immer wieder thematisiert: „Wie stellt man die Firma dar, wie präsentiert man sich?“

Außerdem spricht Kummer gesundheitliche Aspekte, wie beispielsweise die Ernährung in den Weiterbildungen an. „Man sollte sich nicht nur Pommes Rot/Weiß und Currywurst reinpfeifen“, so Kummer. Doch gerade das ist unterwegs manchmal gar nicht so einfach.

Tipps zur Ernährung unterwegs gibt es übrigens hier.

Was sich über die Jahre verändert hat

Seit gut 40 Jahren ist Udo Kummer als Fahrlehrer tätig. Dementsprechend lange konnte er den Verkehr und dessen Veränderungen im Laufe der Zeit beobachten. Und davon gab es so einige: „Wir haben viel mehr Fahrzeuge“, erklärt Kummer: „Dann haben wir wesentlich mehr mehrspurige Straßen. Früher sind wir im Gänsemarsch hintereinander gefahren, um es mal so zu sagen. Jetzt haben wir mehr Fahrspuren, das bedeutet: Man muss auch mehr Fahrspurwechsel machen.“

Dabei müssen seine Schüler – im LKW wie auch im PKW – besonders vorsichtig sein. Denn: „Man kann die Fahrzeuge nicht mehr so gut einordnen, ‚ein kleines Auto fährt langsam, ein großes fährt schnell‘ – das kann auch vollkommen anders sein“, berichtet Kummer.

Zudem gäbe es heute deutlich mehr Markierungen und Regeln, die es zu beachten gelte. Allerdings dürfe man sich von denen nicht das Denken abnehmen lassen, so Kummer: „Die Anforderungen sind wesentlich höher“.

Ein Wechsel der Perspektive

Wer viel PKW fährt, wird sich ein ums andere Mal schon über langsame LKWs geärgert haben. Doch sitzt man selbst hinter dem Steuer, kann es passieren, dass man plötzlich ganz anders auf bestimmte Situationen schaut: „Wenn es erstmal einigermaßen flutscht, merken Schüler nicht nur, was für Probleme der LKW hat – darüber haben die sich vorher nie Gedanken gemacht – sondern auch, was für Fehler sie mit dem Auto gegenüber dem LKW bisher gemacht haben“, so Kummer. Allzu oft würden Schüler sehen, dass sie dem ein oder anderen LKW durch ihr Fahrverhalten im PKW möglicherweise Probleme bereitet haben: „Wenn man im PKW drin sitzt wird man sich vielleicht wundern, motzt am Ende noch und hebt die Hand. Nun sitzt man im LKW und sieht das, was man selber schon gemacht hat und sagt sich: ‚Oh Gott‘.“

Diesen Punkt stellt Kummer gerade in den Anfängen seiner neuen Schüler immer wieder fest. Sie bekommen Respekt vor dem Fahren eines LKW – was der vielleicht wichtigste Punkt im Laufe der Fahrschule ist: „Man muss eine Einstellung zu dem Programm kriegen“, betont Kummer.

Denn: Ein LKW kann, wenn er nicht korrekt gesteuert wird, jede Menge Schaden anrichten: „Wenn du später alleine fährst, hast du die Verantwortung über dieses Fahrzeug und die Personen, die draußen rumlaufen. Und wenn du dieser Verantwortung nicht gerecht wirst, gibt es Schrott, Schwerverletzte und Tote“, gibt Kummer seinen Schülern mit: „Du sollst davor keine Angst haben, aber immer Respekt.“

Wie sind eure Erfahrungen in der LKW-Fahrschule gewesen? Und wenn ihr nur PKW fahrt: Könnt ihr euch vorstellen, wie es ist, so einen Perspektivwechsel durchzuführen? Erzählt es uns in den Kommentaren!

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Was fiel euch in der Fahrschule am leichtesten?

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