Wenn plötzlich niemand mehr LKW fährt

von | 1. Nov. 2021

Oft unterschätzen Menschen, wie wichtig Berufskraftfahrer für den ganz normalen Ablauf des Alltags sind. Doch wie stark sich der Fahrermangel auswirken kann, zeigten zuletzt die Bilder aus Großbritannien. Ein Zustand, dem der BGL entgegenwirken möchte.

Plötzlich fehlte es an allen Ecken und Enden: In den vergangenen Wochen gingen Bilder aus Großbritannien um die Welt, die zeigten, wie schnell plötzlich die gewohnten Abläufe ins Haken kommen, wenn die Lieferkette nicht mehr so ineinander greift, wie sie eigentlich sollte. Leere Supermarktregale, Engpässe an den Tanksäulen – Lebensmittel, Benzin und Diesel wurden knapp.

Die Lieferprobleme bestehen schon seit Längerem. Ein Grund dafür: Die strengeren Einwanderungsregelungen seit dem Brexit. Schon im Mai 2021 kamen erste Berichte auf (via Tagesschau), dass Lkw-Fahrer die Insel zunehmend meiden würden. Bürokratische Hürden und Unsicherheiten sorgten dafür, dass die Fahrerzahlen zurückgingen.

Als Reaktion auf die Problematik wurden an vielen Orten Großbritanniens die Löhne für Lkw-Fahrer erhöht, zudem fand man Sonderregelungen in Sachen Arbeitsvisa. Bereits Ende September berichteten mehrere Medien, dass zwischen Oktober und Heiligabend bis zu 5.000 Lkw-Fahrer ins Land geholt werden sollen – um das Weihnachtsfest zu sichern (via Süddeutsche). Allerdings gab es schon damals Kritik, dass dies unter Umständen nicht ausreichen würde.

Fahrermangel – das große Problem

Auch, wenn das Problem in Großbritannien aufgrund des Brexit nochmal eine besondere Dimension hat – der lokale Fahrermangel kann schwerer durch externe Kräfte gemeistert werden – ist der Fahrermangel in der Logistikbranche ein umfassendes Problem.

„Es ist allgemein so, dass viel zu viele Lkw-Fahrer fehlen“, berichtet etwa unser Unermüdlicher Markus Trojak, der selbst seit vielen Jahren hinter dem Steuer sitzt: „Es wollen einfach zu wenig Leute den Job machen.“ Von ähnlichen Problemen sprach auch Influencer „Rene Schmock“, der selbst seit 10 Jahren fährt.

Die Probleme sind vielfältig und gehen über die Bezahlung hinaus. Schwierige Arbeitsbedingungen und -zeiten sind Hürden, genau wie die fehlende soziale Anerkennung. In Deutschland meldete sich auch  der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) Anfang Oktober zu der Thematik – mit einem Aktionsplan „Fahrermangel“.

Etwa ein Drittel der Berufskraftfahrer im Straßengüterverkehr sei älter als 55 Jahre, jedes Jahr würden ca. 30.000 Berufskraftfahrer in Rente gehen, heißt es in dem Bericht. Nachrücken würden pro Jahr hingegen nur etwa 17.000 Berufseinsteiger.

Dem BGL zufolge müssten 5 Punkte schnell angegangen werden, um dem entgegenzuwirken:

  • Das Image und die Wertschätzung des Berufs müssten verbessert werden. Unter anderem müsse der Beruf als dauerhaft systemrelevant anerkannt und die Zukunftsperspektive für Frauen und Männer dargestellt werden.
  • Die Bedingungen müssen verbessert werden. Das geht vom Parkplatzmangel über mehr Sicherheit und Sauberkeit bis hin zum besseren sozialen Umgang mit Fahrern.
  • Bürokratische Hürden müssten verringert werden. Etwa sei ein Sehtest beim Optiker statt beim Augenarzt wünschenswert, wenn der Führerschein verlängert werden soll. Dazu kommen die Forderung einer Vereinfachung der Berufskraftfahrerqualifikation, vorübergehende Berufszugänge für Aushilfen und eine Beschleunigung von Verwaltungsverfahren.
  • Nachwuchs und Digitalisierung sollen gefördert werden – etwa durch Steigerung des Fahrerkomforts, Gesundheitsmanagement und E-Learning bei Qualifikation und Führerschein-Ausbildung.
  • Fachkräftezuwanderung erleichtern: Etwa durch das Öffnen des Führerscheinerwerbs und der Qualifikation für Personen mit EU-ausländischem Wohnsitz, oder auch eine Ausbildung und Prüfung in Fremdsprachen. Zudem sollen Sprachkurse für Deutsch stärker gefördert werden, ebenso wie die Visaerteilung.

Wie seht ihr die Problematik? Welche Punkte müssten eurer Meinung nach verbessert werden? Erzählt es uns in den Kommentaren!

Mit dem November ist es außerdem Zeit für ein neues Quiz. Das aktuelle Gewinnspiel findet ihr hier!

Fotonachweis: © Adobe Stock Antonio | gluschenkoart

Könnt ihr euch vorstellen, als Fahrer nach England zu wechseln?

Max

Max

Immer auf dem Sprung von einem Ort zum anderen.

Anzeige

Anzeige Sonax

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Dich auch interessieren: