Fahrerpaare gemeinsam auf Tour

von | 1. Feb. 2021

Viele Berufskraftfahrer verbringen den lieben, langen Tag allein auf Tour. Doch manche Strecken erfordern Teamarbeit. Und welche Teams sind besser als Paare, die sich sowieso schon in- und auswendig kennen? Die Spedition Wirtz setzt seit Jahren auf Pärchen, die gemeinsam fahren möchten – und hat gute Erfahrungen damit gemacht.

Für alle, die ihr gelerntes Wissen nach dem Lesen auf die Probe stellen möchten:  

Manchmal kann man sich gar nicht vorstellen, wie der Alltag von Berufskraftfahrern aussieht, wenn man einem ganz gewöhnlichen Job nachgeht. Schon die grundlegendsten Dinge sind einfach völlig anders: Während man selbst vielleicht morgens um 08:00 im Büro und abends wieder daheim bei der Familie ist, sind Fahrer oft tage- oder wochenlang unterwegs. Die Touren, die Fernfahrer abreißen, sind oft ein Rund-um-die-Uhr-Job mit kleinen Pausen dazwischen. Die verbringt man aber auch nicht unbedingt zu Hause, sondern eher auf einem Rastplatz oder eben unterwegs. Dass das nicht unbedingt die familienfreundlichste Situation ist, sollte klar sein.

Auch Partnerschaften müssen sich an die fordernden Zeiten im Fernfahrerberuf anpassen, wenn einer der beiden Partner ständig unterwegs ist. Ein Punkt, den die Spedition Wirtz schon früh erkannt hat. Bei dem Bornheimer Betrieb hat man sich Gedanken gemacht: Manche Strecken erfordern Doppelbesatzungen auf dem LKW. Warum sollte man hier nicht das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden?

„Die haben vorher schon geklärt, wer der Chef ist“

„Wir haben schon vor vielen Jahren damit angefangen, Fahrerpaare einzustellen“, erzählt uns der Prokurist Dieter Guckes. Auf den besonders fordernden Strecken auch privat eingespielte Teams zu nutzen, bewährte sich schnell: „Wir haben einfach festgestellt, dass es bei Doppelbesatzungen, die zusammengewürfelt werden, häufig schwierig ist. Bei Fahrerpaaren, die bereits zusammenleben, und die eben auch gerne zusammen fahren wollen – da hat sich eine Win-Win-Situation herausgestellt.“

Doppelbesatzungen, so erklärt Guckes, müssen einfach funktionieren. Und das mitunter über mehrere Wochen. Eine Situation, die nicht für jeden etwas ist: „Häufig war es so, dass Doppelbesatzungen nicht so lange miteinander harmoniert haben. Da hat einem der Fahrstil vom anderen nicht gefallen. Dann will einer lieber einen Kaffee trinken gehen, während der andere weiterfahren möchte. Der eine will langsamer, der andere schneller fahren. Es war immer eine gewisse Unruhe auf den Fahrzeugen“, berichtet Guckes von Teams, die sich nicht aufeinander einstellen konnten. Probleme, die es auch bei „Fahrerpaaren“ geben kann, klar. Aber in Lebensgemeinschaft lebende Pärchen haben einige Vorteile: „Die haben vorher schon geklärt, wer der Chef ist und sind sich vorher im Klaren, wer welche Aufgabe hat. Sie kennen von Haus aus ihre Stärken und Schwächen“, erklärt der Prokurist.

Bei Doppelbesatzungen kann es schon auf Kleinigkeiten ankommen – schließlich ist man über Wochen auf engstem Raume „zusammengepfercht“. Eine Situation, mit der Paare möglicherweise besser zurechtkommen, als zusammengewürfelte Teams von Fahrern, die es eigentlich gewohnt sind, alleine ihre Fahrten zu bestreiten.

Was für Touren fahren Paare?

Warum steckt man überhaupt mehrere Fahrer in ein Fahrerhaus, und das auch noch mehrere Wochen? Ganz einfach: Besonders lange Strecken erfordern doppelte Kräfte. Gemeinsam kann man sich ablösen und unterstützen. Heute hat die Spedition 21 Paare, die sie auf unterschiedlichste Touren schickt: „Natürlich ist es so, dass wir die Doppelbesatzungen speziell für die Langstecken suchen. Also wir lassen keine Einzelfahrer nach Portugal oder Schweden fahren. Da haben wir immer Doppelbesatzungen drauf“, erklärt Guckes. Eine solche Fahrt kann dann von einer Station zur nächsten führen: „Sie starten hier in Bornheim und fahren nach Hamburg. Da laden sie was aus und übernehmen in der Nähe eine Ladung für Rom. Dann laden sie in Rom aus und fahren weiter nach Warschau. Und in Polen übernehmen sie dann eine Ladung für Madrid und fahren von da weiter nach Valencia und laden Orangen für Kopenhagen. Da sind sie ganz schnell bei drei Wochen.“

Aber, klar: Eine Garantie auf solche Weltenbummler-Touren gibt es nicht: „Wir haben natürlich Touren nach Helsinki, nach Athen, nach Lissabon, nach Rom – all das fahren wir. Aber wir fahren auch genauso von Köln nach München oder von Bielefeld nach Hamburg. Das ist je nach Jahreszeit und Geschäft immer unterschiedlich. Es gibt bei uns keine Doppelbesatzung, die nur international unterwegs ist“, erklärt Guckes. „Es gibt zwischendurch auch immer was anderes. Wir haben Fahrer dabei, die fahren sechs Wochen durch die Gegend und sehen Deutschland überhaupt nicht. Und dann gibt es Wochen, da sind sie drei Mal hier auf dem Hof.“

Dennoch, das Prinzip hat sich auf Rastplätzen und Autobahnen herumgesprochen: „Heutzutage kommen die Leute auf uns zu und fragen nach einer entsprechenden Anstellung. Ich sag mal, vor 15 Jahren haben wir in den Truckerzeitungen Annoncen aufgegeben. Dann ist das Ganze zum Selbstläufer geworden.

Auch als Paar ist es nicht immer einfach

Für manche Paare ist die Situation, gemeinsam auf Tour zu gehen, ideal. Doch natürlich ist auch das nicht für jeden etwas – Pärchen hin oder her: „Ich sag’ den Leuten vorher immer, dass das keine Ausflugsreise, sondern ein harter Job ist. Wenn es gilt, wird 20 Stunden gefahren, neun Stunden Pause und 20 Stunden weitergefahren. Das verlangt dann der Auftrag, da kann ich nicht mal hier und da anhalten“, so Guckes. Für manche Paare geht das nicht auf: „Es müssen schon Leute sein, denen es Freude macht zu fahren und die auch nicht mit der Wimper zucken, wenn sie mal eine oder zwei Wochen da draußen sind.”

Auch die Situation, dann eben doch dauernd zusammen zu sein, klappt nicht bei jedem: „Da hängt der Himmel voller Geigen, weil man die ganze Woche zusammen ist, und dann sind die ersten sechs Wochen um und man stellt fest, dass das alles doch nicht so toll ist“, so Guckes: „Wir haben einige Fahrerpaare, die sind schon viele Jahre bei uns. Die sind absolut glücklich damit. Das erleben wir immer wieder – aber es kristallisiert sich auch sehr schnell raus, wenn Leute nicht so ganz glücklich damit sind. Das sind dann zwischen drei Wochen und drei Monaten, dann verlassen sie uns wieder.“

Eine Familie hebt Guckes hervor, die bereits seit über zehn Jahren dabei ist: „Da ist am Anfang nur er gefahren, alleine bei uns. Und nach zwei Jahren sagte er, seine Frau würde einen Führerschein machen und sie würden gerne zusammen fahren. Dem steht dann auch nichts im Wege“, erzählt der Prokurist: „Wenn Leute keine Erfahrung haben, ist das auch kein Beinbruch. Wir haben hier mehr als genug Erfahrung und können die Leute an die Hand nehmen. Wir arbeiten sie entsprechend ein und unterstützen sie. Wenn die Leute Interesse und Spaß an der Arbeit haben, dann ist das alles kein Hexenwerk.“

Würdet ihr als Paar auf Tour gehen?

Max

Max

Immer auf dem Sprung von einem Ort zum anderen.

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