Fahrermangel in der Logistikbranche

von | 21. Feb. 2019

Zu spüren ist der Mangel an qualifizierten Berufskraftfahrern seit etlichen Jahren. Das Thema ist nicht neu und dennoch brandaktuell. Ungefähr 67.000 Fahrer scheiden jährlich aus dem Berufsleben aus, diese Zahl wird bei Weitem nicht durch gerade einmal rund 27.000 Nachwuchskräfte aufgefangen. Die Bedingungen für Brummifahrer gelten als unattraktiv, angefangen bei ungünstigen Arbeitszeiten und noch lange nicht endend bei verhältnismäßig schlechter Bezahlung. Der Preis hingegen scheint  hoch – sieht man als Fernfahrer seine Liebsten Daheim doch eher sporadisch. Um aber nicht bloß zu jammern, wie schlecht die Lage ist, sondern das Glas als halbvoll zu betrachten, habe ich mich schlau gelesen, wie dem Fahrermangel begegnet und Perspektive geschaffen werden kann.

1. Attraktivität!

Gegenseitiger Respekt ist das A und O einer jeden Branche. An diesem mangelt es jedoch besonders auffällig im Bereich Logistik, dabei wäre eine angemessene Wertschätzung der geleisteten Arbeit angebracht. Denn was machen wir als Verbraucher denn, wenn die Logistikkette unterbrochen wird? Auf Lebensmittel und Konsumartikel will doch niemand verzichten. Freundlichkeit kostet nichts, warum nicht also respektvoll miteinander reden? Jeder verdient einen fairen Umgang, vor allem auch an den jeweiligen Ladestellen. Das beruht natürlich auf Gegenseitigkeit; einer muss den Anfang machen. Ein kleines Lächeln schmerzt nicht. Von Luft und Liebe kann keiner Leben, daher ist es völlig klar, dass auch in Sachen Entlohnung an ein paar Schrauben gedreht werden muss. Grundgehalt zum Einen, Zuschläge zum Anderen. Ein auskömmlicher Lohn muss einfach drin sein. Gerade wenn man die häufig unvorteilhaften Arbeitszeiten bedenkt – unter diesen Bedingungen sollten jemanden zumindest nicht auch noch erhebliche Geldsorgen belasten. Die Arbeitszeit ist der nächste Punkt, an dem angesetzt werden muss. Über innovative Arbeitszeitmodelle sollte zwingend nachgedacht werden, damit die viel diskutierte Work-Life-Balance funktionieren kann.

2. Qualifizierung!

Überlegt werden sollte, wie man Personen, die an der Berufskraftfahrertätigkeit interessiert sind, den Einstieg erleichtern kann. Quereinsteiger sollten stärker von staatlicher Förderung wie Bildungsgutscheinen profitieren können, ebenso ist eine einfachere Anerkennung ausländischer Qualifikationen sowie Nicht-EU-Fahrerlaubnisse denkbar. Bereits heute ist es möglich, im Rahmen der Beschleunigten Grundqualifikation meist in Form von Vollzeitunterricht innerhalb von ungefähr vier Wochen oder berufsbegleitend (dauert ca. zehn Wochen) den anerkannten IHK-Beruf „Kraftfahrer im Güter- bzw. Personenverkehr“ zu erlernen. Informationen dazu gibt es z.B. bei deiner zuständigen Industrie- und Handelskammer und beim TÜV.

3. Unterstützung!

Die Werbetrommel für den Beruf muss ordentlich gerührt werden, so viel steht fest. Warum sollte er nicht in die Positivliste Zuwanderung in Ausbildungsberufeder Bundesagentur für Arbeit aufgenommen werden? Das könnte ein erster Schritt zu mehr Präsenz in den Köpfen von Ausbildungsplatzsuchenden sein. Auch die Berufsberatung dort und an den Schulen muss aktiver auf eine mögliche Perspektive als Berufskraftfahrer eingehen, indem besonders auf die kontinuierliche Veränderung durch Fortschritte in der Automatisierung und Digitalisierung eingegangen wird. Dabei sollte zugleich vermittelt werden, dass dieser Wandel den Beruf nicht gefährdet, sondern eine interessante, zukunftssichere Tätigkeit darstellt.
Die Verbändeinitiative* fordert zudem ein staatliches Integrationsprogramm für Nachwuchskräfte, Quereinsteiger sowie Fahrer aus anderen EU- und Drittstaaten (in diesem Fall verbunden mit einer Sprachförderung). Sollten Fahrer aus Drittstaaten mit einer festen Arbeitsplatzzusage ihren Arbeitsmittelpunkt nach Deutschland verlegen wollen, dürfe die Ausstellung eines Visums keine Hürde darstellen, sondern unbürokratisch erfolgen.

4. Infrastruktur!

Niemand freut sich über Schlaglöcher und marode, gesperrte Brücken. Leider ist das Alltag auf unseren Straßen. Kein Wunder also, dass der Spaß am Fahren gebremst wird. Umfassende Sanierungsmaßnahmen sind nötig, um einen sicheren, zügigen Transport zu gewährleisten. Parkplätze sind dabei ebenfalls nicht außer Acht zu lassen; wie sonst sollen Ruhezeiten eingehalten werden, wenn sämtliche LKW-Stellplätze belegt oder beschädigt sind? Eine sichere Umgebung zum Pausieren ist unabdingbar, soviel steht fest. Wünschenswert ist eine Beschleunigung genehmigter Bauvorhaben, damit sich jahrelange Baumaßnahmen nicht als weitere Hürde auf der Fahrtstrecke entpuppen. Autobahnbrückensanierungen ließen sich weitaus zügiger durchführen, wenn „die Rahmenbedingungen für die Anwendung des Instruments der Plangenehmigung verbessert würden“, so die Verbändeinitiative.

5. Digitalisierung!

Digitale Fahrtenschreiber sind schon lange im Einsatz, doch da hört das Technikpotenzial im Logistikverkehr längst nicht auf. Hilfreich wäre zudem ein flächendeckender Einsatz elektronischer Frachtbriefe in Europa, denn die Vereinheitlichung und digitale Lesbarkeit sind wahre Zeitsparer. Jede Menge Papier würde dabei natürlich auch gespart, sehr zugunsten der Umwelt.

Zudem müssten Konzepte für eine enge, effiziente Zusammenarbeit von Industrie und Logistik entwickelt und in den Transportalltag integriert werden. „Voraussetzung dafür ist der flächendeckende Ausbau der digitalen Infrastruktur, die es der Wirtschaft ermöglicht, u. a. dynamische Informations- und Steuerungssysteme verstärkt einzusetzen“, so die Verbändeinitiative. Stell’ Dir darüber hinaus einmal die Erleichterung vor, wenn beispielsweise behördliche Kontrollen durch den Einsatz digitaler Möglichkeiten beschleunigt werden könnten. Das könnte Dir einiges an Wartezeit ersparen.

Zugegeben – die Bekämpfung des Fahrermangels ist kein einfaches Thema. In der Theorie gibt es also nette Vorschläge. Aber ist das praktisch wirklich durchführbar? Werden nicht neue Wege gefunden werden, wie z. B. Lenk- und Ruhezeiten manipuliert werden könnten? 

Was mich ebenfalls brennend interessiert: Deine persönliche Sicht der Dinge. Wo liegt in Deinen Augen die Problematik, dass so wenige Leute beruflich auf den Straßen unterwegs sein möchten? Wie schaffen wir Deiner Meinung nach tatsächlich eine Veränderung?

Quelle:
https://www.bgl-ev.de/images/downloads/media_3312_3.PDF

* Zusammenschluss des Bundesverbands Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) e.V., des Bundesverbands Großhandel, Außenhandel, Dienstleistung e.V., des BDI, des Deutschen Speditions- und Logistikverbands e.V., des Handelsverbands Deutschland (HDE), des Verbands der chemischen Industrie e.V., des Verbands Deutscher Papierfabriken e.V., der Initiative für Verkehrsinfrastruktur e.V. „Pro Mobilität“, des Bundesverbands Wirtschaft, Verkehr und Logistik e.V. (BWVL), des Bundesverbands Paket & Express Logistik Biek, des bevh, WV Metalle, des Bundesverbands Möbelspedition und Logistik (AMÖ) e.V. und des Bundesverbands Baustoffe – Steine und Erden e.V. (bbs).

Fotonachweis: © Adobe Stock / Milton Oswald und © Adobe Stock / Countrypixel

An welcher der genannten Schrauben muss Deiner Ansicht nach am dringendsten gedreht werden?

Annika

Annika

Fährt ab auf lange Roadtrips – Highspeed, please!

Anzeige

Anzeige Sonax

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Dich auch interessieren: