Faszination Unimog

von | 20. Jul. 2020

Der Unimog ist ein „Universelles Motorgerät“ und der Name ist Programm. Entstanden als eine Idee aus der Nachkriegszeit, hat sich die vielseitige Maschine zum echten Tausendsassa entwickelt. Kein Wunder also, dass der Unimog sich in vielen Bereichen großer Beliebtheit erfreut. So auch in der Schleswig-Holsteiner Gemeinde Fitzen: Dort ist das „Unimog Team Fitzen“ zu Hause, das in seinen Videos regelmäßig zeigt, was Unimogs alles drauf haben.

Henning Heitmann ist 22 Jahre alt und arbeitet in der Landwirtschaft. In seinem Alltag kümmert er sich tagtäglich um 200 Rinder und 100 Hektar Land – oft mit Hilfe seines Unimogs. Wie das abläuft, zeigt er seit 2017 als Teil des „Unimog Team Fitzen“ unter anderem auf YouTube, Instagram und Facebook: „Ich hab damals angefangen, meinen Unimog U1300 bei der Arbeit zu filmen“, erklärt Heitmann, der Zuschauern so auch Einblicke in die Landwirtschaft verschaffen möchte. „Zu dem Zeitpunkt gab es kaum Unimog-Videos auf YouTube.“ Mithilfe seines Kollegen Moritz Gerau aus dem Nachbardorf, der die Produktion des Videos übernahm, wollte er das ändern. Mit Heitmann vor der Kamera und Gerau, der sich hinter den Kulissen um die Videos kümmerte, war das Unimog Team Fitzen geboren. 2019 verstarb Gerau bei einem tragischen Unfall – das Unimog-Team bestand aber weiter. Heute steht Philipp Schütt an der Kamera und zeichnet sich für die Produktion verantwortlich.

Springen wir ein wenig zurück. Denn Heitmanns Leidenschaft für den Unimog liegt etwas tiefer verankert: „Jemand anderes im Dorf hatte einen Unimog 406, den er leidenschaftlich restauriert hatte. Der hatte mich immer beeindruckt“, erzählt Heitmann. Ein Eindruck, der sich offenbar einbrannte: „Mit 18 hatte ich Geld gespart und wollte etwas kaufen, was möglichst vielseitig ist, was nicht an Wert verliert und was möglichst viel Ausstattung hat.“

So kam Heitmann zu seinem ersten Unimog: „Der war Baujahr 78, hatte einen Heckkraftheber und eine Heckzapfwelle.“ Das Modell fährt in der Regel 80 km/h, doch Heitmanns neues Arbeitsgerät brachte es nur auf 40 km/h – zum Glück für den jungen Landwirt: „Der war gedrosselt und ich durfte ihn mit meinem Trecker-Führerschein fahren. Außerdem hatte er eine feste Kabine, in der man mit drei Leuten vernünftig drin sitzen konnte. Und er hatte eine Druckluftbremsanlage.“

Was macht einen Unimog eigentlich aus?

Spricht man mit Heitmann über Unimogs, merkt man schnell: Der Mann weiß, wovon er redet. So versteht man auch, warum ein Unimog definitiv die richtige Wahl ist, wenn man nach einem Gerät „für alles“ sucht: „Der Unimog zeichnet sich durch Portalachsen und Spiralfedern vorne und hinten aus. Das macht ihn sehr geländefähig“, erklärt Heitmann. „Er wurde ursprünglich vor allem im Forst und sehr unwegsamen Gelände genutzt.“ Außerdem sitzt man in einem Unimog hinter der Vorderachse, im Gegensatz zu vielen Lkw: „Dadurch haben wir besseren Fahrkomfort.“

Dass ein Unimog gleichermaßen für die Landwirtschaft, wie auch beispielsweise für Feuerwehreinsätze einsetzbar ist, liegt an seiner Wandelbarkeit: „Er ist sozusagen programmierbar“, erklärt Heitmann: „Es gibt ein Basis-Fahrgestell, und dann wird raufgerüstet, was wir brauchen. Brauchen wir einen Heckkraftheber für die Landwirtschaft, brauchen wir eine Ölversorgung, um einen Anhänger hochzukippen, brauchen wir eine Zapfwelle, um den Salzstreuer anzutreiben, der hinten drauf ist“ – mit dem Unimog ist irgendwie alles möglich.

Ein Unimog sorgt für Aufsehen

Springen wir zeitlich wieder ein bisschen nach vorne. Heitmanns Unimog bleibt im etwa 370 Anwohner zählenden Fitzen nicht lange unbemerkt: „Der Unimog hat im Dorf und in der Region, wo kaum ein Unimog vertreten war, immer mehr Interesse erregt“, berichtet er. „So kam es dann, dass wir immer mehr Leute wurden, die vom Unimog begeistert waren.“ Und das aus diesem Freundeskreis bestehende Unimog Team Fitzen begann zu wachsen: „Nicht jeder hat zwangsläufig einen eigenen Unimog, aber viele schon“, erzählt Heitmann. „So ist das immer größer geworden. Die Videos sind größer geworden, unser Fuhrpark ist größer geworden.“

Mittlerweile zählt der Fuhrpark des Teams einen Unimog aus jedem Bereich, vom landwirtschaftlichen U1700 mit umfangreicher Agrar-Ausstattung bis hin zum Bundeswehr-U1300 L, der eher für Transporte in unwegsamem Gelände gedacht ist. Ein aus dem Tagebau stammender Unimog mit Doppelkabine ist dabei, und der Unimog-Verwandte MB Trac 1500 kommt auch zum Einsatz: „Wir haben aus jedem Bereich eine Möglichkeit“, so Heitmann.

Aktuell sind im Team zehn Unimogs vertreten, wobei der Fahrzeugbestand regelmäßig wechselt. In Fitzen werden Unimogs nicht nur eingesetzt, sondern auch restauriert, ausgetauscht und verkauft: „Wir haben mittlerweile ein großes Depot an Ersatzteilen. Wir kaufen auch Unimogs, um sie auseinanderzunehmen, um die Teile zu lagern.“ Normalerweise kriegt man die Teile auch noch im Nachbau, „aber das ist schon hochpreisig“, erklärt Heitmann. Der Vorteil: auch neu gebaute Unimogs entsprechen in vielen Teilen noch den alten Modellen. Eine neue Frontscheibe kann beispielsweise auch in einem älteren Modell eingesetzt werden.

Der wirtschaftliche Aspekt steckt dabei aber nicht unbedingt im Vordergrund: „Das ist eine Mischung aus Arbeit und Hobby. Mein Nachbar nutzt den Unimog, um im Winter Holz zu machen und erledigt bei anderen Landwirten kleinere Arbeiten. Aber es ist auch sehr viel Hobby und sehr viel Leidenschaft dabei.“

Das Gefährt für alle Fälle

Diese Leidenschaft sieht man auch in den Videos, die letztendlich mit den Unimogs vor Ort entstehen. Oft steht die Landwirtschaft im Fokus – in solchen Videos erklärt Heitmann verschiedene Themen und Tätigkeiten, mal werden aber auch Fahrzeuge quasi im direkten Duell miteinander verglichen. Dann wieder sieht man technische Ausrüstungs-Tests mit vielen Tipps oder auch einfache Freizeitvideos: So wird etwa ein auf den Unimog montierter Kran zur Schleuder beim Baden am Baggersee umfunktioniert.

Die Videos lassen einen verstehen, warum der Unimog so eine Faszination verbreitet – er kann eben wirklich einfach alles. Oder, wie Heitmann es sagt: „Tagsüber kannst du damit arbeiten, abends kannst du damit ein Eis essen fahren. Der Unimog kann einen von morgens bis abends den ganzen Tag begleiten.“ Grund genug, diese Leidenschaft auch Außenstehenden näherzubringen: „Das ist unser tägliches Leben und die Kamera ist dabei.“

Dass der Unimog eben nicht nur in Fitzen, sondern übergreifend seine Fans hat, zeigt etwa der Unimog-Club Gaggenau. Das ist ein internationaler Verein von Unimog-Fans mit über 7.365 Mitgliedern in 40 Ländern. Da ist Heitmann natürlich mit von der Partie: In der Region Hamburg/Schwerin ist er der erste Ansprechpartner des Clubs und arbeitet etwa an der Organisation von Events wie Oldtimer-Treffen: „Letztes mal waren genau so viele Unimogs wie Trecker auf dem Oldtimer-Treffen“, berichtet er. In diesem Jahr klappte es aufgrund der Corona-Pandemie noch nicht mit Events, aber der Blick geht nach vorne: „Vielleicht klappt es am Ende des Jahres“, so Heitmann.

Was für Erfahrungen habt Ihr mit dem Unimog? Erzählt es uns in den Kommentaren!

Fotonachweis: © Adobe Stock: art_zzz / Philippe GR

Wäre ein Unimog auch was für Euch?

Max

Max

Immer auf dem Sprung von einem Ort zum anderen.

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