Was sind eigentlich Gefahrguttransporte?

von | 10. Mai. 2021

Jeden Tag werden unzählige Mengen an Gütern und Frachten über die Autobahnen transportiert. Fahrerinnen und Fahrer arbeiten unablässig daran, die Versorgung aller zu gewährleisten. Auch unser Unermüdlicher Markus ist tagtäglich auf den Straßen unterwegs. Mit ihm haben wir uns das Thema „Gefahrguttransport“ einmal genauer angeschaut.

Lebensmittel, Elektronik, Flüssigkeiten, Alltagsbedarf, und, und, und – man braucht im Grunde gar nicht erst anzufangen, all die Güter aufzuzählen, die tagtäglich über die Autobahnen bewegt werden. So ziemlich jede Art von Fracht findet man auf der Straße, wenn man nur lange genug sucht.

Eine ganz spezielle Art von Fahrt ist der „Gefahrguttransport“. Der Name zeigt schon recht deutlich, worum es hier geht: Güter, die in irgendeiner Form zum Problem werden könnten, wenn sie nicht ordnungsgemäß eingeladen, transportiert und abgeladen werden.

Nach Definition des Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur handelt es sich bei Gefahrgütern um „Stoffe und Gegenstände, von denen bei Unfällen oder bei unsachgemäßer Behandlung Gefahren ausgehen können“ (via BMVI)

Auch in dieser speziellen Gruppe wird in verschiedenste Unterkategorien aufgeteilt. Zu den gefährlichen Gütern zählen beispielsweise:

  • Sprengstoffe
  • Gase
  • entzündbare und selbstentzündliche Stoffe – fest oder flüssig
  • Giftstoffe
  • radioaktive oder ätzende Stoffe

Wie man Gefahrgüter behandelt

Wie man damit umzugehen hat, bestimmt sich ein ganzes Stück weit durch die Art der Güter. Grundsätzlich gilt aber, das besondere Vorsicht geboten ist – findet auch LKW-Fahrer Markus: „Im Gegensatz zur normalen Fracht ist die Sorgfaltspflicht für mein Empfinden viel, viel höher, weil Du viel mehr gucken musst“, erklärt der Profi: „Du hast einfach viel mehr Risiko und auch viel mehr Pflichten zu erfüllen.“

Das fängt schon vor der Fahrt an: „Da musst Du beim Be- und Entladen genau schauen, dass Du nirgendwo gegen kommst oder eine Delle irgendwo drin ist“, erklärt Markus. Eine ordnungsgemäße Sicherung der Ladung ist selbstverständlich essentiell. Außerdem ist es wichtig, die Fracht auf dem LKW korrekt zu kennzeichnen. Denn sollte es zu einem Unfall kommen, müssen Rettungskräfte wissen, womit sie es zu tun haben.

Sollte es zu einem Unfall oder zu einer Freisetzung der Gefahrgüter kommen, ist schnelles Handeln notwendig. Erstattet man Meldung bei Feuerwehr und Polizei, sollte man laut BMVI folgende Fragen beantworten:

  • Wo ist der Unfall geschehen?
  • Was ist passiert?
  • Wie ist das Fahrzeug gekennzeichnet?

Darüber hinaus soll man andere Verkehrsteilnehmer warnen, Zündquellen von den Stoffen fernhalten und sich selbst möglichst weit von der Unfallstelle entfernen.
Damit es gar nicht erst zu Unglücken kommt, sollte man seine Route so sicher wie möglich planen. Bei manchen Gütern gibt es sogar Fahrwegsbestimmungen, denen man folgen muss – ganz ähnlich wie bei Schwertransporten.

Dazu kommen, je nach Fracht, weitere Sicherheitsmaßnahmen: „Bei Feuerwerk beispielsweise – das ist Sprengstoff – darf man das Fahrzeug nie aus dem Sichtfeld lassen“, erklärt Markus. Wenn man aufgrund schlechter Witterung angewiesen wird, einen Parkplatz anzusteuern, muss man auch aufpassen – denn: „Das heißt nicht ‚rechts ranfahren und auf der Standspur stehen bleiben‘, da kriegst Du mächtig einen auf den Deckel. Das ist keine geeignete Parkmöglichkeit. Man muss einen Parkplatz aufsuchen, der entsprechend geartet ist“, erklärt Markus. Ganz einfach ist das allerdings nicht immer. Gerade, wenn das Wetter eigentlich einen sofortigen Stop erfordert.

Bei der Tourenplanung kann man sich im LKW zum Glück auf technische Unterstützung verlassen: „Es gibt Schilder, die man beachten muss, wie Wasserschutzgebiete. Zum Beispiel: Wenn Du bei dir in der Nähe eine Quelle für Trinkwasser hast, darfst Du da normalerweise nicht mit Gefahrgütern oder Flüssigkeiten, die ins Erdreich sickern können, durchfahren“, erklärt Markus: „Dann musst Du die Tour schon extra planen. Die modernen Navigationsgeräte haben aber in der Regel eine Option mit Gefahrgutstoffen, die Du anklicken kannst“.

Vorsicht bei Gefahrgütern – auch als Privatperson

Um Gefahrgüter transportieren zu dürfen, muss man diverse Lehrgänge absolvieren. So gibt es beispielsweise Seminare für Stückgut, Tanklast oder auch Sprengstoff: „Alle fünf Jahre musst Du nochmal eine Prüfung ablegen“, so Markus. Ist die Fracht auf dem Truck angekommen, wird genau Buch geführt: „Am Ende musst Du als Fahrer ein Beförderungspapier mitführen, da stehen die Gefahrgutstoffe drauf. Im Einzelnen sind die aufgelistet, auch die Gefahrgutklassen. Das ist komplett genormt, wie das geschrieben werden muss.“

Wie schnell man als Gefahrgut gelten kann, unterschätzen aus Sicht des Profis viele. Denn auch als Privatperson kann man schnell eine durchaus explosive Mischung im Wagen transportieren: „Sagen wir mal, Du holst fünf Liter-Kanister Scheibenreiniger und zwei Gasflaschen zum Grillen – dann bist Du in der Regel schon dabei. Es kommt auf den Stoff an. Da fährt man samstags in den Baumarkt und holt sich große Gasflaschen für den Grill. Da ist man auch als Privatmann ein Gefahrentransport – macht sich nur keiner Gedanken drum.“ Ist man aber erstmal im Thema, fängt man an, genau hinzuschauen, betont Markus. Und dann stellt man erst fest, „was alles auf Straßen an Gefahrgütern transportiert wird – wenn man sich da einarbeitet, traut man sich ja eigentlich nicht mehr auf die Autobahn.“

Deswegen sollte man im Straßenverkehr immer genau auf seine Mitmenschen achten und dafür sorgen, dass alle sicher ans Ziel kommen. Das gilt natürlich auch für Gefahrentransporte.

Mehr zum Thema Sicherheit im Straßenverkehr findet Ihr in unserem Beitrag zum Thema Abfahrtkontrolle. Kleiner Bonus: Dort findet Ihr auch all die Informationen zu unserem aktuellen Mai-Quiz, in dem wir eine Truckerbox verlosen. Das aktuelle Quiz findet Ihr hier.

Fotonachweis: © AdobeStock M. Perfectti

Habt Ihr schonmal Gefahrgüter transportiert?

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