Reifenpannen auf der Autobahn und wie man sie verhindert

von | 5. Jul. 2021

Eine Reifenpanne ist nicht nur ein großes Ärgernis, sondern kann auch richtig gefährlich werden. Deshalb sollte man stets ein Auge auf seine Reifen haben. Wir haben uns angeschaut, wie man die Wahrscheinlichkeit einer Reifenpanne möglichst stark reduziert.

Spricht man über Reifenschäden, muss man in unterschiedliche Kategorien unterteilen. So gibt es akute Reifenpannen, die zum sofortigen Ausfall eines Reifens führen, aber auch langwierige Abnutzungen, die das Risiko einer Panne auf lange Sicht erhöhen.

Wir haben uns mit Marcus Große von der ContiAcademy unterhalten. Der 38-Jährige ist schon seit Jahren dabei und kümmert sich unter anderem um verschiedene Trainings und Beratungen zum Thema Reifen für Pkw und Lkw.

Laut Große gibt es mehrere typische Schäden, die immer wieder an Reifen vorkommen können.

  • So gibt es etwa den klassischen Schaden, bei dem man über einen Nagel oder Glasscherben gefahren ist.
  • Eine andere Variante sind Stoßbrüche, etwa durch das Überfahren von Hindernissen wie z. B. einer Bordsteinkante, einer Bahnschiene oder eines Gegenstands auf der Straße.
  • Fehlerhafte Achseinstellungen, die durch die falsche Radstellung zu Schäden am Reifen führen.

Einen Nagelschaden kriegt man recht schnell mit, wenn der Fülldruck im Reifen nachlässt. Hier ist eine umgehende Reparatur oder ein schneller Ersatz des Reifens unerlässlich.

„Bei einem Stoßbruch kann es unter Umständen ebenfalls gefährlich werden“, so Große. Hat man zum Beispiel eine Bordsteinkante im spitzen Winkel oder mit hoher Geschwindigkeit überfahren, kann es zu einem Aufbruch der Innenschicht und einer folgenden Ausbeulung im Bereich kommen. Eine mögliche Folge ist ein schlagartiger Fülldruckverlust und demzufolge eine erhöhte Unfallgefahr.

Passiert so etwas während der Fahrt auf der Autobahn, kann es schnell gefährlich werden. In diesem Fall gilt:

  • Zur Seite fahren (an den Seitenstreifen oder in eine Pannenbucht) soweit möglich
  • Absicherung des Fahrzeugs, Warnblinker
  • Anlegen der Warnwesten
  • Warndreieck

Danach kann man entweder den Pannendienst oder einen Dienstleister kontaktieren, der sich mit dem schnellen Ersatz oder der Reparatur von Reifen auf der Autobahn beschäftigt. Wichtig: Ist Ladung verloren gegangen oder liegen Fahrzeugteile auf der Autobahn, ist auch die Polizei zu verständigen.

Zu einer Reifenpanne kann es mit Pech jederzeit kommen. Allerdings gibt es mehrere Ansätze, die ihr verfolgen könnt, um den Reifen möglichst gut in Schuss zu halten und das Pannenrisiko herabzusetzen.

So hält man Reifen lange am Leben

Um Pannen möglichst vorzubeugen, sollte man stets darauf achten, den Reifen nur so stark wie nötig zu belasten – nicht mehr. Ein entscheidendes Element ist in dieser Hinsicht der Fülldruck des Reifens.

„Wenn der Fülldruck nicht in Ordnung ist, ändern sich die Eigenschaften des Reifens und auch die Lebenserwartung. Die Fülldruckpflege ist ein wichtiges Thema“, erzählt Große. Ist der Fülldruck nicht optimal, kann es zu einer übermäßigen und ungleichen Abnutzung des Reifens kommen.

Zur Überprüfung des Reifendrucks kann man laut Große heutzutage auch gut digitales Reifenmanagement verwenden. Zu diesem Zweck gibt es verschiedene Systeme, die auf einen Sensor im Reifen setzen. Dieser misst dann den aktuellen Fülldruck.

Probleme können mithilfe eines Displays in der Fahrerkabine detailliert ausgelesen werden. Eine vernetzte Lösung mit einer direkten Übertragung der Daten an den Fuhrparkleiter ist ebenfalls möglich. So stehen die Informationen zum Fülldruck stets bereit und können genutzt werden, um bei Bedarf nachzubessern.

Ein weiterer Faktor ist vorausschauendes Fahren, um die Reifen möglichst wenig zu belasten: „Wenn ich vorausschauend fahre, entspannt an Ampeln heranfahre und das Fahrzeug mehr rollen lasse, habe ich deutlich weniger Verschleiß, als wenn ich ständig Antriebs- oder Bremskräfte auf die Straße bringe“, erklärt Große. Durch bedachtes Fahren lässt sich der Verschleiß der Reifen minimieren. Außerdem sorgt man gleichzeitig für mehr Sicherheit auf der Straße.

Die korrekte Profiltiefe sollte man ebenfalls stets im Blick haben. Die gesetzlichen Vorgaben setzen eine Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimeter voraus – und die sollte man auch nicht unterschreiten: „Durch diese Profilrillen wird Wasser von der Straße abtransportiert“, erklärt Große: „Und wenn ich weniger Profiltiefe habe, kann ich auch weniger Wasser abtransportieren.“ Das Risiko auf Aquaplaning würde mit geringerer Profiltiefe steigen.

Deshalb gilt: Reifen regelmäßig überprüfen, auf nassem Untergrund die Geschwindigkeit reduzieren und im Bedarfsfall den Reifen austauschen.

Immer mit dem richtigen Reifen unterwegs

Zu guter Letzt sollte man darauf achten, die korrekte Bereifung für die anstehenden Aufgaben auszuwählen. Ein Profisportler stellt sich schließlich auch nicht in Gummistiefeln auf den Platz. Ähnliches gilt auch für Lkw: „Wenn ich lokal unterwegs bin, habe ich ganz andere Anforderungen an den Reifen, als im Langstreckeneinsatz oder wenn ich regelmäßig durch die Berge muss. Das ist immer individuell zu sehen“, erklärt Große. So brauche etwa ein viel in der Stadt agierender Umzugs-Lkw andere Reifen als ein Fernfahrer.

Reifen für den Stadtverkehr etwa sind auf häufiges Anfahren und Stoppen ausgelegt und bringen mehr Robustheit mit, um Bordsteinkanten standhalten zu können. Im Langstreckeneinsatz hingegen stehen die Reifen oft unter langfristiger Fahrbelastung. Beispielsweise im Baustellen-Lieferverkehr wiederum gilt es, Reifen zu verwenden, die auch mit einer erhöhten Belastung durch Kies und Steinchen zurechtkommen.
Nicht zu vergessen: Auch auf der Antriebs-, Lenk- und Trailer-Achse sollten jeweils Reifen eingesetzt werden, die den speziellen Anforderungen gerecht werden. „Da muss immer eine vernünftige Produktberatung durch den Handel stattfinden“, so Große.

Wer also Reifenpannen verhindern möchte, sollte:

  • Viel Wert auf Prävention legen und vorausschauend fahren.
  • Den Fülldruck und die Abnutzung der Reifen kontrollieren.
  • Die richtige Bereifung für die Aufgabe wählen und sich hier im Zweifel beraten lassen.

Habt ihr noch Tipps, wie ihr die Langlebigkeit eurer Reifen sichert? Und was tut ihr, wenn ihr mal eine Panne habt? Erzählt es uns in den Kommentaren!

Fotonachweis: AdobeStock Janni / thaloengsak

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