Lkw-Fahrer leisten Hochwasser-Hilfe: „Vergiss den Sprinter, komm mit dem 40-Tonner“

von | 5. Aug. 2021

Seit mehreren Wochen haben viele Gebiete im Westen Deutschlands mit Hochwasser und dessen Folgen zu kämpfen. Zahlreiche Helfer haben sich gemeldet, um die Krise zu bewältigen. Einer davon ist Marco Schräder mit seinem LKW.

Normalerweise ist Marco Schräder auf verschiedenen Touren innerhalb von Deutschland, Österreich oder auch nach Polen unterwegs. In erster Linie transportiert der 45-Jährige Motorräder verschiedenster Marken, ähnlich wie sein Unermüdlichen-Kollege Markus. Doch als die Hochwasserproblematik in Deutschland begann, kamen ungewöhnliche Herausforderungen dazu.

Er selbst wohnt nicht direkt im Krisengebiet, erzählt Marco. Doch seine Schwester engagierte sich in betroffenen Gebieten in Form von Spendenaufrufen. Und die mussten an den richtigen Ort gebracht werden: „Sie rief an, ob ich mit einem Sprinter ein paar Sachen zum Roten Kreuz nach Andernach bringen könnte. Dann hab ich meinen Chef angerufen und gefragt, ob das mit dem Sprinter klar gehen würde. Er hat das ohne Zögern bejaht und gesagt, da sind wir dabei“, berichtet Marco.

Auch für ihn war es keine wirkliche Frage: „Ich dachte, da muss geholfen werden. Da opfere ich auch meine Freizeit für.“

Eine Wagenladung voller Hilfsmaterialien

Gesagt, getan – mit einer kleinen Planänderung: „Freitagsmorgens hieß es dann: Vergiss den Sprinter, komm mit dem 40-Tonner“, berichtet der Trucker: „Wir sind dann nicht nur für den Ort, sondern auch für andere Feuerwehr-Stationen gefahren. Ich hab dann samstags, sonntags und montags jeweils einen kompletten Zug Hilfsmaterial, Hygieneartikel, Klamotten, Essen und Trinken transportiert.“

Gelagert werden diese Spenden unter anderem an Orten wie gemieteten Schulen oder kurzfristig zur Verfügung gestellten Hallen: „Da werden die Fahrzeuge bestückt und fahren dann dort hin, wo die Spenden wirklich gebraucht werden“, so Marco.

Hochwasser in Deutschland

Ganz einfach ist das aber nicht: „Den ersten Tag, an dem ich nach Nettersheim gefahren bin, hab ich 01:45 Stunden gebraucht. Da konnte ich zum Teil über die Autobahn fahren“, erinnert sich Marco.

Der Sonntag gestaltete sich dann aber schwieriger: „Weil die Steinbachtalsperre zu brechen drohte. Da musste ich lauter Umleitungen fahren und habe an reiner Fahrzeit neun Stunden gebraucht. Ich bin morgens um 09:00 Uhr vom Hof gestartet und bin abends um 19:30 wieder angekommen.“

„Da fährt man mit gemischten Gefühlen durch“

Eine Tour, die einen bleibenden Eindruck bei Marco hinterließ: „Dann siehst du die Gebiete. Ich bin durch eine Ortschaft gefahren, da hab ich bei Google Earth geschaut, da sollten neun oder zehn Häuser stehen. Da waren aber nur noch zwei Häuser da, die auch noch schwer beschädigt waren. Da waren nur noch Bodenplatten, die Häuser wurden förmlich weggerissen.“

Das bestärkte den Gedanken, dass hier dringend Hilfe von Nöten ist: „Man hat seine Bilder, seine Papiere, die Möbel, die man vielleicht grad neu gekauft hat… alles, was man schön gemacht und sich schwer erarbeitet hat, ist in einem Moment einfach weg. Da fährt man schon mit gemischten Gefühlen durch. Man darf nicht zu viel dran denken. Man sollte eher daran denken, dass es bergauf gehen muss, dass geholfen werden muss.“

Aus diesem Grund engagieren sich LKW-Fahrer Marco und viele weitere Helferinnen und Helfer, um die Krise in den Griff zu bekommen.

Auch die Entfernung von Müll oder Geröll ist aktuell ein wichtiges Thema: „Man denkt, wenn man manche Bilder sieht: Die Straßen sind doch frei. Aber es wird noch lange dauern, bis es von der Reinigung her so ist, wie es mal war. Es ist schon heftig, was die Welle da zerrissen hat.“

Wichtig ist allerdings die Organisation: Während manche Orte dringend Hilfe benötigen, ist anderswo manchmal sogar zu viel los. Dann wird es schwierig, Helfer zu koordinieren und Fahrwege freizuhalten. Wer helfen möchte, sollte sich zuerst über die aktuelle Lage informieren und sich möglichst bei den offiziellen Stellen vor Ort melden.

Außerdem gilt es, sich dringend an Anweisungen und Verordnungen zu halten, was das Befahren der betroffenen Gebiete angeht. Sonst riskiert man im schlimmsten Fall, am Ende mehr Schaden anzurichten, als zu helfen.

Auch Busfahrer Mirko kam in diesem Jahr in eine ungewöhnliche Situation – allerdings spielte da nicht Wasser, sondern Feuer eine große Rolle. Seinen Bericht zum Bus-Depot-Brand in Hannover lest ihr hier.

Mehr zum Thema Sicherheit auf dem Unermüdlich-Blog findet ihr hier:

Wie erlebt ihr die aktuelle Situation? Seid ihr betroffen, helft ihr auch vor Ort? Erzählt es uns in den Kommentaren!

 

Fotonachweis: © privat | Adobe Stock / lensw0rld

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