Fleischkonsum

von | 19. Nov. 2019

Es geht jetzt nicht darum den Zeigefinger zu erheben und den Vegetarismus als alleiniges Allheilmittel zur besseren und klimabewussteren Ernährung zu krönen. Aber ein wenig mehr Wissen um fleischlose oder fleischreduzierte Ernährung kann bestimmt nicht schaden. Wie schreibt „Die Zeit“ online: Wir essen zu viel Fleisch, Zucker ist des Teufels und Superfood für viele die Lösung: Über wenig lässt sich so hervorragend streiten wie über Ernährung und Abnehmen.

60 Kilo Fleisch pro Kopf

Laut aktuellen Zahlen aus dem 13. DGE-Er­nähr­ungs­be­richts von 2017 liegt Fleischverbrauch pro Kopf bei 60 Kilogramm im Jahr. Das ist viel. Was nicht heißt, dass Fleischkonsum generell schlecht ist. Es enthält hochwertiges Protein, versorgt uns mit B-Vitaminen, Eisen und Zink. Darüber hinaus ist Fleisch ein Eiweißlieferant. Aber es gibt Möglichkeiten, das auch ohne Fleisch zu uns zu nehmen. Laut dem deutschen Vegetarierbund soll es insgesamt 9,3 Millionen Leute in Deutschland geben, die komplett auf Fleisch verzichten – 8 Millionen Vegetarier und 1,3 Millionen Veganer.

Abnehmen bei Fleischverzicht

Dabei gibt es Studien, die behaupten, wer auf Fleisch verzichte, nehme schneller ab. Bei einer der Studien haben die Probanden sogar bis zu sechs Kilogramm in zwölf Wochen abgenommen – nur durch die Umstellung auf fleischlose Ernährung.

Krebsrisiko bei erhöhtem Fleischkonsum?

In den USA wurde erforscht, dass das Risiko für Krebs bei einer fleischlastigen Ernährung deutlich höher ist als bei einem pflanzenbetonten Ernährungsstil. Ein Zusammenhang mit der Gefahr von Adipositas (Fettleibigkeit) und den oftmals beigefügten chemischen Zusatzstoffen in Fleischprodukten, die das Risiko für Dickdarm- und Mastdarmkrebs stark anheben, klingt einleuchtend. Wer mehrmals in der Woche Salami auf sein Brot legt, steigert laut der Weltgesundheitsorganisation WHO sein Risiko an Darmkrebs zu erkranken. Das ist natürlich schwer wirklich nachweisbar. Die beobachteten Menschen in diesen Studien könnten schließlich ohne Wissen der Forscher auch rauchen, eine chronische Entzündung der Darmschleimhaut haben oder Familienmitglieder, die ebenfalls an Darmkrebs erkrankt sind – was das Risiko für eine Erkrankung erhöht.

Angeblich haben Frauen den Achselschweiß von Männern mit fleischlosem Ernährungsstil als signifikant besser empfunden als von Männern, die Fleischesser waren. Nun ja. Das kann man nun glauben oder nicht. Für alle Studien gibt es natürlich Gegenstudien. Aber wenn es hilft bei der Partnersuche … 🙂

Bio, Bio und nochmal Bio

Jetzt geht es aber nicht darum den Verzehr von Fleisch zu verteufeln. Die Menge und das, was wir kaufen, sollten in unserem Blickfeld eine viel größere Bedeutung einnehmen. Dabei lohnt sich auch ein Blick auf die Produktion von Fleisch. Warum ist Bio-Fleisch so viel teurer im Supermarkt? In einer der letzten Sendungen von „Markt“ im Dritten Programm wurde behauptet, dass die Herstellung von Schweinefleisch gar nicht soviel teurer sei. Erst im Supermarkt explodiere der Preis. Eine starke Nachfrage bei einem noch viel zu geringem Angebot katapultiere den Preis nach oben. Hier sollte angesetzt werden. Eine künstliche Überteuerung schadet.

Im Vergleich zum konventionellen Bereich ist der Bio-Fleischmarkt aber einfach auch extrem klein. Weniger als 1 % aller Mastschweine stehen in ökologisch wirtschaftenden Betrieben. Gleichzeitig stammen nur 0,5 % des erzeugten Schweinefleisches in Deutschland aus Ökobetrieben. Bei Milch liegt der Ökoanteil immerhin bei etwa 3 % und bei Rindfleisch bei 4,3 %. Bei der Produktion von Schaffleisch erreicht der Ökobereich sogar einen Marktanteil von 11 %. Gelesen auf agrarheute.com.

In Dänemark ist Bio-Schweinefleisch ein absoluter Hit. Hier liegt der Marktanteil immerhin bei 2,6 % und steigerte sich im letzten Jahr um 30 %. Die Dänen sind generell Bio-Fans. Sie haben in Europa den höchsten Bio-Konsum. 2018 gaben in einer Umfrage 9 von 10 Dänen an, Bio-Produkte zu konsumieren; immerhin 4 % sogar, ausschließlich Bio-Produkte zu kaufen. Der Marktanteil lag 2015 bei 8,4 %, 2016 sogar schon bei 9,6 %. Im Vergleich dazu lag Deutschland nur bei knapp 5 %. (Quelle: National Statistics und Forschungsinstitut für biologischen Landbau, FiBL).

Kein Fleisch – der Umwelt zuliebe

Aber auch der Umweltsaspekt sollte beleuchtet werden. Nach Angaben des Umweltministeriums verursacht die Produktion von einem Kilo Rindfleisch mehr als 60 Mal so viele Treibhausgase wie der Anbau eines Kilos frischen Gemüses. Hinzu kommen Flächen für die Viehzucht und der Anbau und die Herstellung von Tierfutter und die damit verbundene Abholzung von Wäldern. Damit ist die Viehwirtschaft eine der bedeutendsten Ursachen für Umweltprobleme und den Klimawandel. Ja, liebe Leugner. Der Klimawandel ist Fakt. Sorry für den kleinen emotionalen Ausbruch. 😉

Tierleid vermeiden

Über weniger Tierleid zu sprechen, ist sicherlich auch richtig. Dass sich hier einiges ändern sollte, werden alle bejahen. Mehr Überwachung, mehr Personal für unabhängige Prüfungen, mehr Zeit für Fleischbeschauer bitte. Das gilt aber für alle. Auch für Eierproduzenten, Bio-Bauern und die gesamte Lebensmittelbranche. Wenn es Nudelherstellern erlaubt ist Eier aus Käfighaltung in der Ukraine zu nutzen und nicht deutlich zu kennzeichnen und sich Honig „Deutscher Honig” nennen darf, wenn sich zu einem riesigen Anteil chinesischer Honig darin befindet (Honig aus EU und Nicht-EU-Ländern) dann besteht viel mehr Handlungsbedarf. Und das sind nur zwei Beispiele, die mir spontan einfallen. Und die Realität hat diesen Artikel bereits eingeholt. Als ich dieses geschrieben habe wurden wir alle von dem Wilke-Fleisch-Skandal überrollt. Welche Mechanismen haben hier versagt? Regional gesteuerte Kontrollen mit regionalen Wirtschaftsinteressen verknüpft, können ein echtes Problem sein. Und eine Informationspolitik die durch behördliche langsam mahlende Mühlen verschleppt wird. Wann wird überhaupt informiert? Oder wird hier lieber die Wirtschaft geschützt? Ist das nicht schon Beihilfe zum Mord? Und welche Konsequenzen haben denn überhaupt gefundene Mängel? Bisher wohl einfach zu wenige, um solche Zustände aufzudecken und vor allem zu ändern. Das ist ja ganz bestimmt kein Einzelfall. Aber wie immer: Riesen Aufschrei. Wenig Konsequenzen. Ein neues Thema wird das schnell überdecken und der Endverbraucher wird das hoffentlich (Sarkasmus) schnell wieder vergessen. Es wäre zu schön wenn sich etwas ändern würde. Hier hilft kein DU Du Du mehr.

Fazit: Kleingedrucktes lesen und informieren

Viele Zahlen, viele Studien und Umfragen. Ich empfinde es als wichtig sich den verschiedenen Aspekten der Ernährung bewusst zu sein. Weniger Fleischverzehr ist auf jeden Fall gut möglich und bereichert jeden Speiseplan. Heute werden in vielen Kantinen leckere, abwechslungsreiche Alternativen zu Fleisch und Fisch angeboten. Vegan oder vegetarisch essen muss nicht langweilig oder fad sein. Ganz im Gegenteil. Aber auch hier ist natürlich nicht alles Gold, was glänzt. Ein kritischer Blick auf Zutaten im Kleingedruckten sollten jeden Verbraucher interessieren. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass das nicht immer einfach und zuweilen mühsam ist. Aber den Kopf in den Sand zu stecken gilt nicht. Bin gespannt, was Ihr dazu sagt. Eine mehr als kontrovers geführte Diskussion auch unter Freunden und in der Familie. Guten Appetit weiterhin.

Fotonachweis: © Pixabay / rawpixel, © Pixabay / Comfreak

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