Kabinenübernachtungsverbot

von | 7. Mrz. 2019

Ist das wirklich die Lösung? Ich bin mir nicht sicher, ob es für jeden von Vorteil ist, seine Wochenruhezeit außerhalb seines Brummis verbringen zu müssen. Gibt es denn überhaupt ausreichend Übernachtungsmöglichkeiten in Transportwegnähe? Genügend Hotels, die in der Nähe von Autobahnen gelegen sind? Und wo parke ich denn dann meinen LKW?

Aber von vorn: Seit letztem Jahr muss per Gesetz alle 14 Tage ein Hotel, Motel, eine Pension – eben eine Unterkunft außerhalb des Trucks – angesteuert werden, um dort während der langen 45-Stunden-Pause zu nächtigen. Der Gedanke dahinter ist edel, soll er doch für ausreichende Entspannung und Ruhe beim Fahrer sorgen.

Vielleicht kommt es Dir sogar bekannt vor, auf dem Autobahnstandstreifen übernachten zu müssen. Einfach, weil der Parkplatz wieder mal rappelvoll war. Was soll man auch anderes tun? Da klingt es natürlich erstmal verlockend, in wohlig warmer Umgebung die Füße hochzulegen. Ein Tapetenwechsel hat noch kaum jemandem geschadet. Beschäftigt man sich näher mit der Thematik, wird jedoch schnell klar, dass die Liste der auftretenden Probleme viel länger als die der Vorteile ist. Über meinem Kopf blinken jedenfalls lauter kleine und große Fragezeichen auf: 

Wer übernimmt den Aufwand der Unterkunftssuche? Die Speditionen? Der Fahrer selbst? Wie schwierig ist es, bezahlbare Zimmer zu finden? Und außerdem: Wie wird das ganze überwacht? Durch wen? Klopft mitten in der Nacht ein Polizist den Kraftfahrer aus seinen Träumen, um mit der Überprüfung zu beginnen? Hält der Fahrer gerade eine 9-, 24- oder 45-stündige Pause ab?

Bislang gilt die Regelung nur für die wöchentliche Ruhezeit, sprich, die „lange Pause“ von 45 Stunden. Unter gewissen Umständen darf die Pause auf 24 Stunden verkürzt und somit weiterhin an Bord verbracht werden. In den kurzen neunstündigen Pausen nach der normalen Schicht sowieso. Was passiert denn aber, wenn partout keine Unterkunft gefunden werden kann? Muss dann der ganze Tourenplan umgeschmissen werden? Und wer trägt eigentlich die zusätzlichen Kosten? Speditionen kalkulieren wie jedes andere Wirtschaftsunternehmen eng – eine Erhöhung der Ausgaben für Schlafunterkünfte wird sich aller Wahrscheinlichkeit nach auf die Transport- und somit die Warenkosten auswirken. Dem Endverbraucher droht durch die Umlage also ein Preisanstieg bei den unterschiedlichsten Gütern.

Da wir schon die Waren und Güter erwähnen: So ein unbemannter LKW bietet Kriminellen ein viel leichteres Spiel. Vermutlich steigt der Schaden durch sogenannte „Planenschlitzer“ weiter an. Bewachte Parkplätze sind bekanntermaßen Mangelware.

Wie Du merkst, stehe ich dem Kabinenübernachtungsverbot ziemlich skeptisch gegenüber. Ich kann mir nicht so recht vorstellen, wie Theorie und Praxis auf einen Nenner kommen wollen. In Belgien und Frankreich existiert das Übernachtungsverbot im LKW schon seit 2014. Dort haben sich die Fahrer auch daran gewöhnt. Es könnte also wie so häufig im Leben eine Frage der Gewohnheit sein.

Wie ist deine Erfahrung in der Praxis? Musstest Du seit Einführung des Gesetzes auch schon Umwege in Kauf nehmen, um eine günstige Unterkunft zu erreichen? Gibt es Deiner Meinung nach weitere Dinge, die Deinem Empfinden nach nicht bedacht worden sind? Lass es uns wissen, uns interessiert das wirklich brennend!

Fotonachweis: © Adobe Stock / Tomasz Zajda und Yuri Bizgaimer

Welcher ist der für Dich wichtigste Anspruch an eine Unterkunft?

Annika

Annika

Fährt ab auf lange Roadtrips – Highspeed, please!

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1 Kommentar

  1. Ich habe einen Camper (ohne Toilette und Dusche) und liebe es „wild“ zu campen – im Wald, am Strand usw …
    In mehrwöchigen Urlauben ist es dann und wann nötig, einen CampingPlatz anzufahren oder bei einem B&B einzuchecken.
    Das mache ich freiwillig, wenn ich es für nötig halte und fänds schade, wenn ein Gesetz mit vorschreibt, wann und wie oft ich meinen Camper für XX Stunden verlassen müsste.
    Wenn eine LKW-Koje alles bietet, was ich zum Pause machen brauche, weiß ich nicht, warum ich sie nicht nutzen sollte.
    Vorschläge und Empfehlungen kann ich mir gerne anhören und meine Schlüsse daraus ziehen. Wenn mir keine Kosten entstehen und ich ohne viel Aufwand ein chilliges Motelfinde könnte es mir ja sogar gefallen.
    Ein **Kabinenübernachtungsverbot** ist mir aber zu dogmatisch.

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Alles klar

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