Vom LKW zum Camper

von | 6. Jul. 2020

Auf ins Abenteuer: Mit dem Camper/Wohnmobil auf Tour, das eigene Bett im Gepäck. Einfach losfahren, dem guten Wetter hinterher. Orte, Städte und die Natur erkunden. Vorbei an wunderschönen Fleckchen Erde, auf die man wahrscheinlich nie gekommen wäre, wenn sie nicht zufällig auf der Route gelegen hätten. Für mich persönlich klingt das wie ein Traum. Ein bisschen Abenteuer gehört für mich zu einem guten Urlaub dazu. Schon als Kind war ich mit meinen Eltern und Großeltern nur mit dem Camper oder Wohnmobil unterwegs. Hotelurlaube oder Pauschalreisen waren für uns Fremdwörter. Höchste Zeit also, dass ich in die Fußstapfen meiner Familie trete und selber zum Vollblut-Camper werde.

Wie alles begann

Schon eine ganze Weile haben mein Freund und ich damit geliebäugelt, uns „irgendwann einmal“ unseren eigenen Camper zu kaufen, in den man schnell die wichtigsten Kleidungsstücke und Lebensmittel packt und dann einfach losfährt. Bis so eine Idee in die Tat umgesetzt wird, braucht es allerdings erst einmal ein bisschen Mut und natürlich das nötige Kleingeld. Wenn man so die Auto-Anzeiger, Gebrauchtwagen-Seiten und Autobörsen durchschaut, stellt man fest, dass selbst ein gebrauchtes Fahrzeug noch ziemlich teuer ist. Also liegt die Idee erst einmal wieder auf Eis. Im Sommer 2019 haben wir uns deshalb noch mit unserem eigenen Auto und dem Zelt im Gepäck auf den Weg nach Slowenien gemacht. Es ging durch das wunderschöne Soca-Tal, Richtung Bled, dann noch nach Kroatien und wieder zurück nach Slowenien. Es war ein zauberhafter Urlaub, aber es ist ganz schön nervig, so ein Zelt immer wieder auf- und abzubauen. Eine Luftmatratze macht bei jeder Bewegung komische Furzgeräusche und bequem ist sie auch nicht unbedingt. Trotzdem: es war einer der schönsten Urlaube, die wir je erleben durften. Die Menschen mit ihren Campern haben wir beneidet und beschlossen: Wir bauen uns unseren eigenen Camper!

Das richtige Fahrzeug

Fahrzeuge gibt es viele. Von verschiedenen Herstellern, über verschiedene Fahrzeugmodelle, über verschiedene Größen. Schnell sind wir bei einem Lastenwagen hängen geblieben. Zuerst war es unser Wunsch, dass man im Fahrzeug mindestens stehen können sollte. Als erstes dachten wir an einen „klassischen“ Sprinter (L2 H2), aber irgendwie ließ sich bezogen auf das Baujahr, den Kilometerstand, den Zustand des Fahrzeugs und die Schadstoffklasse nicht das finden, wonach wir gesucht haben. Dann ging die Idee in Richtung VW Crafter und Ford Transit, bis wir nach reiflicher Überlegung von dem Gedanken, im Fahrzeug stehen zu können, wegkamen. Uns war es dann doch wichtig, unauffällig unterwegs zu sein und (fast) überall einen Parkplatz zu finden. Es sollte also ein kleineres Fahrzeug werden. Gelandet sind wir schlussendlich bei einem VW T6 mit langem Radstand (Euro 6, 2-Liter Diesel-Motor mit 150 PS). Wenn Du selber mit dem Gedanken spielst, Dir Deinen eigenen Camper zu bauen, kann ich Dir nur raten, auch auf Messen zu schauen und dir Inspirationen zu holen. Und da wären wir auch schon beim nächsten Punkt.

Die nötige Inspiration

Natürlich gibt es nichts, was es im WorldWideWeb nicht gibt. So konnten wir dank des Internets zahlreiche Inspirationen finden. Auf YouTube finden sich viele Bastler, die coole Ideen zum Thema Ausbau vermitteln. Auch zahlreiche nützliche Infos zur Isolation, Verkleidung und zum Punkt Elektro lassen sich hier finden. Dazu kommen dann noch ein paar Blogs, auf denen man sich schlau lesen und inspirieren lassen kann. Auch Instagram und Pinterest sind coole Plattformen, auf denen sich Camping-Begeisterte tummeln und von ihren Erfahrungen berichten. Trotzdem war es für uns sehr hilfreich, auch mal auf eine Messe zu fahren und verschiedene Camper, Wohnmobile und Wohnwagen anzuschauen. Auch von den großen Wohnmobilbauern kann man sich so die eine oder andere Kleinigkeit abschauen. Wir sind deshalb im letzten Jahr auf eine Messe in Düsseldorf gefahren, den „Caravan Salon Düsseldorf“. Die Messe kannte ich schon von früher, als ich noch mit meinen Großeltern in den Urlaub gefahren bin. Hier haben wir in ganz viele Fahrzeuge „geschnuppert“. Super cool war auch der Truck hier:

Für die, die es größer haben wollen und natürlich den nötigen Platz und das Geld dafür haben, lohnt es sich garantiert, einen Truck als Camper umzubauen. Dann ist man gleich mit einer ganzen Wohnung unterwegs. Als Inspiration dient Euch dazu eventuell der Blog von Knut und Wiebke und ihrer „Campingfamilie“. Oder Ihr schaut mal auf www.herman-unterwegs.de vorbei. Hier könnt Ihr quasi eine virtuelle Roomtour durch verschiedene, selbstausgebaute Fahrzeuge machen. Sehr spannend!

Vom LKW zum Wohnmobil

Damit aus einem Nutzfahrzeug bzw. LKW ein vollwertiger Camper wird, muss dieser natürlich erst einmal umgebaut werden. Jeder, der jetzt denkt „um Gottes willen, die Arbeit muss man sich auch erst einmal antun wollen …“, hat natürlich nicht Unrecht. So ein Ausbau macht schon Arbeit (wenn man es vernünftig macht) und geht ins Geld. Geschenkt bekommt man leider nichts. ABER: Es ist am Ende (meistens) um ein Vielfaches günstiger als ein fertiges Mobil. Auch ein Vorteil: Man hat alles so, wie es für einen am besten passt.

Uns war es wichtig, dass wir den LKW zum Wohnmobil ummelden konnten. So spart man einiges an Versicherungskosten. Wir hätten für die Versicherung als LKW beispielsweise zwischen 1.500 € und 3.000 € jährlich bezahlen müssen (natürlich abhängig von den Kilometern und den Ländern, die man mit versichert) und bezahlen als Wohnmobil nun knapp 450 € jährlich (je nach Schadenfreiheitsklasse und Kilometern). Ein erheblicher Unterschied!

Was der TÜV verlangt

Laut TÜV muss man einige Voraussetzungen erfüllen, bevor man den LKW als Wohnmobil nutzen kann, bzw. zu einem Wohnmobil ummelden darf.

Sitzgelegenheit mit Tisch

Sitzplatz ist in der kleinsten mobilen Hütte. Doch ein Tisch gehört dazu. Dieser darf ruhig abnehm-, abklapp- oder wegdrehbar sein.

 

Träumen Sie los

Wie man sich bettet, so fährt man: Zum untersten Schlafkomfort reicht schon eine umgeklappte Sitzgelegenheit, sofern sich hierdurch eine ausreichend große und ebene Liegefläche ergibt.

 

Essen auf Rädern

Die wichtigste Zutat fürs leibliche Wohl: Der Gaskocher. Wichtig ist, dass Sie auch auf kleinem Raum gut hantieren können und auch für die Küchenutensilien Platz finden. Der Kocher muss fest im Fahrzeug eingebaut und für den Betrieb in Fahrzeugen geeignet sein. Eine Zündsicherung unterbricht die Gaszufuhr, falls die Flamme ausweht.

 

Aus den Augen, in den Schrank

Die üblichen Pkw-Ablagen, Handschuhfach und Kofferraum sind nicht genug. Der Schrank oder Stauraum muss ausreichend Platz für Kleidung und Proviant bieten.

 

Gegen haltlose Zustände auf Reisen

Wenn Sie plötzlich bremsen müssen, werden nicht befestigte Dinge schnell zu einem gefährlichen Geschoss. Die Einrichtungen müssen, mit Ausnahme des Tisches, fest eingebaut und so beschaffen sein, dass auch bei Unfällen die Gefahr oder das Ausmaß von Verletzungen möglichst gering gehalten werden.

 

Der Wohnteil sollte einen wohnlichen Eindruck erwecken. Bei Fahrzeugen ohne ausreichende Mindestausstattung für Wohnmobile oder mit herausnehmbarer Wohneinrichtung ändert sich nichts, sie werden weiterhin als Pkw oder Lkw eingestuft.

 

Quelle: https://www.tuev-nord.de/de/privatkunden/ratgeber-und-tipps/tuning-anbau-umbau/wohnmobil-tuning/

 

Der Ausbau

Bevor wir mit dem Ausbau und allem, was dazu gehört, angefangen haben, ging unser Transporter erst einmal nach Essen. Hier haben wir ihm ein Klappdach (mit Schlafgelegenheit) und zwei Fenster (in die Schiebetür und auf die gegenüberliegende Seite, hinter den Sitzen) einbauen lassen. Danach haben wir das Fahrzeug gereinigt und alle Holzverkleidungen abgeschraubt. Der Transporter war dann völlig „nackt“ von innen. Er war nicht isoliert. Auch die Bodenplatten (Multiplex) haben wir erst einmal rausgenommen, sodass direkt der Metallboden zu sehen war. Dann ging es ans Isolieren. Dazu haben wir einen einseitig-selbstklebenden, geschlossen-porigen Schaumstoff verwendet, der speziell im Fahrzeugausbau genutzt wird. Wir haben alle Innenwände (auch die Hohlräume zwischen Außenwand und Innenwand und über dem Radkasten), den Boden und die Schiebe- und Flügeltüren isoliert. Danach haben wir die Wände gefilzt. Die Holzverkleidung haben wir abgeschliffen und weiß lackiert, damit sie gegenüber Schmutz und Feuchtigkeit resistenter wird.

Bevor es weiter ging, mussten wir uns genau überlegen, wie die Schränke, die Küche und das Bett aufgebaut werden sollten. Dazu haben wir uns die genauen Fahrzeugmaße geholt (findet man für fast jedes Fahrzeug im Internet) und über eine Software eine grobe Skizze erstellt, was wohin soll. Am Ende wurde aus der groben Skizze ein genauer Bauplan für alles. Das hat wirklich super funktioniert.

Danach haben wir uns zuerst einmal für einen Boden entschieden. Dafür haben wir die Bodenplatten (Multiplex), die schon im Fahrzeug waren, wieder über dem isolierten Boden eingesetzt. So entstand eine glatte Fläche, auf die wir eine Klebe-Trittschall-Dämmung gebracht haben. Darauf haben wir dann einen leichten, aber stabilen Vinylboden verlegt, der auch im Ausbau für Ladengeschäfte genommen wird.

Viel Arbeit, die sich lohnt

Wir wollten möglichst wenig Gewicht in das Fahrzeug bringen, damit wir am Ende nicht über die 2.800 kg Maximal-Belastung kommen und haben uns deshalb entschlossen, die Schränke, die Küchenzeile und das Bett aus Aluminium-System-Profilen zu bauen. Diese Profile werden auch von Fachfirmen zum Ausbau von Krankenwagen, Feuerwehrautos und Einsatzwagen verwendet. Um ein möglichst leichtes, feuchtigkeitsunempfindliches und robustes Material für die Verkleidung der Schränke zu verwenden, haben wir uns für Multiplex (12 mm Stärke) entschieden. Wir haben alle Bauteile gemäß unseres Bauplanes zugeschnitten und danach mehrfach geschliffen sowie lackiert, bis wir ein schönes, glattes Ergebnis hatten.

Nachdem alle Bauteile fertig vorbereitet waren, konnten wir das Aluminiumgerüst für die Schrank-Küchen-Kombination in das Fahrzeug einbauen. Aus den übrigen Profilen haben wir auch noch ein Bettsofa gebaut.

Dann ging es „nur“ noch darum, die Elektrik zu planen und vorzubereiten, die Verkleidungen und Böden, einen Herd, ein Waschbecken und einen Kühlschrank einzubauen. Wir haben uns außerdem dafür entschieden, ein Solar-Panel auf dem Klappdach zu befestigen, sodass wir unterwegs komplett autark sind. Alles selbst geplant und eingebaut. Aber das hier genauer zu beschreiben, würde den Rahmen leider sprengen.

Fazit

Der Ausbau hat uns knapp fünf Monate gekostet. Wobei man dazu sagen muss, dass wir beide Vollzeit berufstätig sind und deshalb nur an ein paar Wochenenden (nicht an jedem Wochenende) Zeit für den Ausbau hatten. Meiner Meinung nach ging es deutlich schneller als gedacht. Wir haben alles an Bord, was wir zum Überleben und Urlauben benötigen. Auch eine mobile Dusche und eine kleine Toilette ist immer dabei. Jetzt heißt es: Sachen packen und los! Wir können jedem, der mit dem Gedanken spielt, sich seinen eigenen Camper zu bauen, nur sagen: JUST DO IT!

Wie geht es Euch? Habt Ihr eventuell schon selbst ein Nutzfahrzeug zum Camper umgebaut?

 

Fotonachweis: © Carmen Gier

Würdet Ihr Euch gerne einen eigenen Camper bauen?

Carmen

Carmen

Von Kindesbeinen an mit allem verbunden, was rollt.

Anzeige

Anzeige Sonax

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Dich auch interessieren: